Wirtschaft : Elektroindustrie: Die Branche wächst langsamer

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An den Aktienmärkten haben die Unternehmen der Elektroindustrie derzeit keinen guten Stand. Eine Gewinnwarnung jagt die andere, die Kurse sind überwiegend auf Talfahrt. Die Ursachen sind bekannt: Die Euphorie für High-Tech-Werte ist seit längerem beendet, Telekom-Ausrüster, Halbleiterhersteller und Computerkonzerne müssen ihre Kapazitäten mühsam an die neuen Realitäten anpassen. Meldungen über die Streichung von Stellen sind an der Tagesordnung. Die tristen Perspektiven dieses Sektors haben sich auf den gesamten Aktienmarkt ausgewirkt und sorgen für ein weltweit schwächeres Wirtschaftswachstum. Doch diese Flut von schlechten Nachrichten stammt weitgehend aus dem Bereich der Informations- und Telekommunikationsindustrie, also vor allem von den Herstellern von Halbleitern, Computern und Telekom-Infrastruktur. Die klassische Investitionsgüter-Industrie, für die die Elektroindustrie häufig Zulieferer ist, bleibt von der Talfahrt weitgehend verschont.

Wenig beachtet, aber stabil

Sie profitierte allerdings auch nicht vom weltweiten Boom der High-Tech-Industrie und ihrer Aktien in den vergangenen Jahren. Die Rekordwerte von 2001 für die gesamte Elektroindustrie hatten überwiegend ihre Ursache in der hervorragenden Lage der Informations- und Kommunikations-Industrie. So meldete die deutsche Elektroindustrie ein Rekordwachstum von 16 Prozent auf einen Umsatz von 318 Milliarden Mark.

Für das laufende Jahr stellt sich die Elektroindustrie auf weniger Wachstum ein, doch von einer Krise ist nicht viel zu sehen. Der Branchenverband ZVEI sieht die Lage noch als "relativ robust" an. Im ersten Quartal 2001 ist der Umsatz der deutschen Elektroindustrie um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Allerdings rechnet der Verband mit einer weiteren Verlangsamung des Wachstums, denn jetzt werden zum großen Teil noch die Aufträge aus dem vergangenen Jahr abgearbeitet.

Export rückläufig

Der ZVEI erwartet für die gesamte Elektroindustrie in Deutschland für 2001 ein Plus von fünf bis sechs Prozent. Die Auftragseingänge lagen nur noch 3,9 Prozent über dem Vorjahreswert. Erfreulich für die Hersteller in Deutschland ist, dass die Bestellungen aus dem Inland mit einem Plus von 10,2 Prozent recht stabil geblieben sind. "Für das Jahr 2002 wird entscheidend sein, ob es im Herbst eine Erholung gibt", sagt Konjunktur-Experte Ulrich Scheinost vom ZVEI. Der Exportboom des vergangenen Jahres ist vorbei. Die schwächere Wirtschaftslage in den USA und in der EU hat sich deutlich ausgewirkt. So lag der Export im ersten Quartal noch um 15 Prozent über dem Vorjahr, allerdings mit stark fallender Tendenz. Aber immer noch werden Zuwachsraten verbucht, ein Minus wie in manchen Krisenjahren ist nicht in Sicht. Stefan Heng von der DB Research erwartet, dass die Elektroindustrie in diesem Jahr besser abschneiden wird als der Durchschnitt der gesamten Industrie. Er rechnet mit einem Produktionsplus von sechs Prozent in Deutschland wie auch im gesamten Euroland. Für 2002 rechnet er mit Wachstumsraten von 4,5 bis 5 Prozent.

Gut dran sind Konzerne wie Siemens, die schwache Ergebnisse in den von der Krise besonders betroffenen Bereichen Telekommunikation und Bauelemente durch höhere Gewinne in traditionellen Arbeitsgebieten wie Automatisierungstechnik, Schaltgeräte, Kraftwerksbau und Medizintechnik ausgleichen können. Siemens und General Electric profitieren vom derzeitigen Boom für Kraftwerksbau besonders in den USA, wo jahrelange Versäumnisse jetzt durch hohe Investitionen aufgeholt werden sollen.

In der Medizintechnik - in den vergangenen Jahren oft ein Verlustbringer - runden die großen Anbieter General Electric, Siemens und Philips ihr Programm durch gezielte Übernahmen ab und profilieren sich als Vollanbieter.Auch die Verkehrstechnik gilt innerhalb der Elektroindustrie als wachstumsträchtig. Hier dominieren Konzerne wie Bombardier, Alstom und Siemens.

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