Wirtschaft : Elektrokonjunktur kühlt ab

FRANKFURT (MAIN) (uso/HB).Kaum einen Lichtblick sieht Franz-Josef Wissing, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Elektroindustrie (ZVEI) für die Konjunktur.Die Exportaussichten seien trüb, die Inlandsnachfrage schwach, die Tarif- und Steuerpolitik belasteten die Unternehmen zusätzlich.Fazit: Die Prognose des ZVEI, wonach der Umsatz der Branche 1999 um 2 Prozent auf rund 260 Mrd.DM steigen sollte, "war zu optimistisch", sagte er gestern in Frankfurt.

Das abgelaufene Jahr dagegen habe allen Anlaß zu guter Laune gegeben: Der Umsatz der deutschen Elektro- und Elektronikindustrie stieg um 5,1 Prozent auf rund 255 Mrd.DM.Davon entfielen 156 Mrd.DM auf das Inland (plus 3,3 Prozent) und 99 Mrd.DM auf ausländische Kunden.Beim Auslandsumsatz fiel der Zuwachs mit 8,3 Prozent ungewöhnlich mager aus, nachdem die Branche in den Vorjahren stets zweistellige Wachstumsraten verzeichnet hatte.Der Umsatzanstieg schlug sich in einer Zunahme der Beschäftigung um rund 20 000 auf 861 000 Mitarbeiter nieder.

Als "erfreulich" beschrieb Wissing die Entwicklung in Ostdeutschland.Dort nahm der Umsatz um 18 Prozent, der Auftragseingang um 22 Prozent zu.Die Zahl der Arbeitsplätze stagnierte bei 64 000.Beim Pro-Kopf-Umsatz erreicht die ostdeutsche Elektroindustrie 95 Prozent des Westniveaus.

Die gute Stimmung des Jahres 1998 habe jedoch seit dem Spätsommer deutlich nachgelassen, schränkte Wissing ein.Und für 1999 lassen die Auftragseingänge keine Besserung erwarten: Verglichen mit dem Vorjahresquartal stiegen die Bestellungen aus dem Inland im vierten Quartal 1998 um 3,5 Prozent, die Auslandsorders nur um 1,1 Prozent.Auch die Kapazitätsauslastung stagniert weiterhin bei knapp 84 Prozent.

Scharfe Kritik übte der ZVEI-Chef an der Tarifpolitik der IG Metall.Wie schon 1995 habe sich die Gewerkschaft von den guten Zahlen des Vorjahres leiten lassen und übersehe völlig, daß die Konjunktur inzwischen gedreht habe."Der Stellenaufbau wird mit Sicherheit zum Stillstand kommen, das Risiko eines Beschäftigungsabbaus ist sehr hoch." Das "Diktat der IG Metall" bringe für die Unternehmen der Elektro- und Elektronikindustrie Mehrkosten von rund 2,5 Mrd.DM.Das entspreche 20 Prozent der für 1999 geplanten Investitionen.

Als zweite schwere Belastung kommt nach Wissings Worten die Steuerpolitik der Bundesregierung hinzu.Die Steuerbelastung der deutschen Unternehmen werde bis 2002 um fast zehn Prozent steigen, wenn die neuesten Steuerreformpläne Realität würden.Auch die Reformkommission zur Unternehmenbesteuerung sei da kein Lichtblick, meinte Wissing: "Dort kommt das Wort Nettoentlastung nicht einmal in den Zielvorgaben vor."

Eine gewisse Stabilität bezieht die Branche derzeit daraus, daß rund drei Viertel ihrer Exporte nach Europa gehen.Dort sei die die Nachfrage weitgehend stabil.So stiegen die Ausfuhren in die Europäische Union, die mehr als die Hälfte der Elektro-Exporte absorbiert, 1998 mit 10,5 Prozent überdurchschnittlich.Die Ausfuhren nach Mittel- und Osteuropa (11,5 Prozent der Exporte) nahmen um 17,5 Prozent zu.Noch stärker wuchsen allerdings die Importe: Aus der EU kamen 15 Prozent mehr Elektrogüter, aus Mittel- und Osteuropa wurde fast ein Drittel mehr importiert.Deutliche Rückgänge verzeichneten die Mitgliedsunternehmen des Verbandes bei den Exporten nach Russland, Brasilien und Südostasien.

Sehr unterschiedlich verlief die Entwicklung auch in den einzelnen Bereichen.Während die Meß- und Regeltechnik, elektronische Bauelemente und Fahrzeugausrüstungen um acht bis zehn Prozent zulegten, mußten die Kommunikationstechnik, Installationstechnik und der Bereich Kabel und Drähte Einbußen hinnehmen.Die Investitionen in die Vermittlungstechnik, die 1998 wegen der Unsicherheit über die Entscheidungen der Regulierungsbehörde für Telekommunikation um 23 Prozent eingebrochen waren, werden nach Wissings Einschätzung 1999 wieder steigen.

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