Elektromobilität : Große Ziele, kleiner Fortschritt

Elektroautos werden weltweit weniger gefördert, die Produktionsziele werden gesenkt. Deutschland holt im Wettbewerb dennoch auf - und spricht mit E-Carsharing vor allem technikinteressierte Männer mit hohem Einkommen an.

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Vom Rennwagen zum Elektroauto. Formel-1-Pilot Sebastian Vettel testete vergangene Woche den Twizy von Renault.
Vom Rennwagen zum Elektroauto. Formel-1-Pilot Sebastian Vettel testete vergangene Woche den Twizy von Renault.Foto: AFP

Deutschland holt als Standort für die Elektromobilität auf – hat aber bei den Produktionszahlen und der Marktgröße im Vergleich zu Japan und den USA noch großen Nachholbedarf. „Die Produktionsprognosen für Elektrofahrzeuge und Plug- in-Hybride sind insgesamt rückläufig“, heißt es in dem am Mittwoch vorgestellten „Index Elektromobilität“ der Unternehmensberatung Roland Berger. Auch die Förderung der E-Mobilität nehme, mit Ausnahme von China, weltweit ab.

Ziele, wie sie die Bundesregierung vorgegeben hat – eine Million E-Autos bis 2020 auf deutschen Straßen – stehen vor diesem Hintergrund zur Disposition: „Nationale Ziele zur Erhöhung der Flottenanteile von rein batteriebetriebenen Fahrzeugen sind akut gefährdet“, heißt es in der Studie, die zusammen mit der Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen erstellt wurde. Der Index vergleicht die Wettbewerbsposition der sieben führenden Automobilnationen in der E-Mobilität: Deutschland, Frankreich, Italien, USA, Japan, China und Südkorea. Am kommenden Montag und Dienstag zieht die Bundesregierung zusammen mit Vertretern aus Wirtschaft und Forschung eine Zwischenbilanz der Entwicklung auf einem E-Mobilitäts-Kongress in Berlin.

Am besten schneidet Deutschland der Studie zufolge im Bereich Technologie ab, der den Entwicklungsstand der Fahrzeuge sowie die Unterstützung der Fahrzeugentwicklung durch nationale Förderprogramme untersucht. Hinter Südkorea und vor Frankreich bieten der Studie zufolge deutsche Hersteller das beste Preis- Leistungs-Verhältnis bei ihren E- und Hybridautos. Die meisten kommen aber erst in einigen Monaten auf den Markt.

Führend in den Bereichen Industrie und Markt ist Japan. Das Land weist die höchste Wertschöpfung der Autoindustrie im Bereich Elektromobilität und den größten Marktanteil von E-Fahrzeugen auf. Der Grund: Die marktführende Position von Toyota bei Hybridfahrzeugen, bei denen Elektro- und Verbrennungsmotoren in einem Auto verbunden sind.

Ungelöst bleiben bis auf weiteres die Kosten- und Infrastrukturprobleme. Die Herstellung von Elektrofahrzeugen sei für die Autohersteller immer noch finanziell unattraktiv, schreiben die Roland- Berger-Experten. „Beim Verkauf von Elektrofahrzeugen realisieren Automobilhersteller viel geringere Deckungsbeiträge als beim Verkauf von Autos mit konventionellem Antrieb.“ Die eingeschränkte Reichweite der Elektrofahrzeuge werde sich voraussichtlich erst nach 2020 durch effizientere Speichertechnologien verbessern. Beim Aufbau der Ladeinfrastruktur seien zudem „keine Geschäftsmodelle in Sicht“, hier sei ein „dauerhaftes Engagement der öffentlichen Hand“ notwendig.

Als geeignete Form der Kundengewinnung hat sich das Elektro-Carsharing erwiesen. Solche E-Fahrzeuge kommen einer Studie zufolge vor allem bei männlichen Verbrauchern an, die gut ausgebildet sind, ein vergleichsweise hohes Einkommen haben, aufgeschlossen sind für Innovations-, Technologie- und Umweltthemen sowie Mobilitätsdienstleistungen aller Art. Auch die Nutzer von öffentlichen Verkehrsträgern und Fahrrädern interessieren sich besonders für Carsharing-Elektroautos. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von Infas und des Berliner Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) unter 2400 Carsharing-Nutzern, 379 davon aus Berlin. Die Autoren der Studie, die heute in Berlin vorgestellt wird, empfehlen sich beim Ausbau des E-Carsharings besonders auf die Bedürfnisse dieser Mobilitätstypen zu konzentrieren.

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