Elektromobilität : Schaufenster ohne Einblick

Vier Schaufenster Elektromobilität gibt es. In der ersten Bilanz nach einem Jahr wird deutlich: Zwei der Metropolregionen hinken hinterher.

von
Fährt den anderen Schaufenstern vorweg: Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretzschmann.
Fährt den anderen Schaufenstern vorweg: Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretzschmann.Foto: dpa

Am Ende ist es eine Studentin im Publikum, die ausspricht, was eine Stunde lang auf der Bühne zu spüren war: „Sie sind nicht sichtbar!“ Daten zur E-Mobilität suche sie bei den vier nationalen Schaufenstern vergeblich. So richtig abstreiten konnten das die Teilnehmer im Podium nicht. Die „Sichtbarwerdung“, und damit auch der Dialog untereinander, werde zum großen Thema, sagte Winfried Hermann (Grüne), Verkehrsminister in Baden-Württemberg.

Beim eMobility Summit des Tagesspiegels zog er mit seinen Schaufensterkollegen aus Berlin/Brandenburg, Bayern/Sachsen und Niedersachsen Bilanz über das erste Jahr. Vor allem für den Südwesten und die Hauptstadt fällt diese gut aus: Nur noch ein Projekt sei in Baden-Württemberg nicht bewilligt, sagte Hermann, 39 laufen. In Berlin nennt Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) 50 Projekte, die laufen und 50 Projekte in Arbeit.

eMobility-Summit 2013 - Elektrisch in die Zukunft
27./28.Juni 2013: Ziemlich gelb und sehr elektrisch - zum dritten Mal findet in Berlin der eMobility-Summit des Tagesspiegels statt. Daimler hat als optischen Reiz einen Mercedes SLS AMG Electric Drive geschickt.Weitere Bilder anzeigen
1 von 16Foto: Mike Wolff
27.06.2013 14:4227./28.Juni 2013: Ziemlich gelb und sehr elektrisch - zum dritten Mal findet in Berlin der eMobility-Summit des Tagesspiegels...

Anders sieht es in Niedersachsen aus. Wirtschaftsdezernent Hans Mönninghoff (Grüne) gibt Startschwierigkeiten zu: Der Modellregion um Hannover habe es zunächst an Struktur gefehlt, aber „das Geld fließt demnächst“. Und im Schaufenster Bayern/Sachsen, bilanziert Florian Pronold (SPD), seien zwar Projekte gut angelaufen. „Aber es hat auch Dinge ohne Sinn und Verstand gegeben.“

Damit meint Pronold vor allem die Etablierung von E-Mobilität im ländlichen Raum. Die könne auf absehbare Zeit noch nicht mit urbanen Metropolen mithalten. Aber genau hier sieht Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbandes E-Mobilität, Nachholbedarf: „In der Stadt brauchen wir die wenigsten Elektroautos.“ Auf dem Land seien die Pendler, auf dem Land stauen sich die Fahrzeuge.

Sigl, mit dem Blick von außen, kritisierte die Runde deutlich: „Hier geht die German Angst um.“ Anstatt anzupacken, verlören sich die Schaufenster in Detaildiskussionen. Und blieben so: nicht sichtbar.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar