Wirtschaft : Elektronische Vernetzung: Kein Papier mehr in VW-Werkstätten

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Der Automobilhersteller Volkswagen will mit einem überarbeiteten Werkstattkonzept eine neue Ära in seinem Service einleiten. Der Leiter des Konzern-Kundendienstes, Knut Schüttemeyer, gab am Mittwoch zum Auftakt der Fachmesse Automechanika in Frankfurt den Startschuss für das neue Konzept, das auf Dienstleistung und Technik setzt.

Bereits von diesem November an will der Autobauer technische Informationen an seine Werkstätten nur noch auf elektronischem Wege per CD-Rom und Internet zur Verfügung stellen. Volkswagen erwartet, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre alle der über 11 000 VW-Händler weltweit ihr System auf diese papierlose Zukunft umgestellt haben werden. Schüttemeyer geht davon aus, dass dadurch im Händlernetz mehr als 10 Millionen Mark an Kosten eingespart werden kann.

Nicht nur die Papierflut soll eingedämmt, sondern auch die Effizienz mit Hilfe der elektronischen Vernetzung von Werkstatt, Büro und Lager gesteigert werden. Fahrzeug- und Kundendaten würden nur einmal aufgenommen und dann allen Abteilungen über ein vernetztes Arbeitsplatz-System zur Verfügung gestellt. Alle Ersatzteile könnten auf diesem Wege, noch bevor der Wagen in der Werkstatt ankomme, beschafft werden, um Wartezeiten für den Mechaniker und den Kunden zu verkürzen. Der Kunde könne schneller erfahren, wie lange die Reparatur dauere und ob alle Teile verfügbar seien. Allein kleine Betriebe könnten mit der neuen Technik jährlich rund 11000 Mark einsparen. Auch freie Kfz-Werkstätten sollen gegen Gebühr Zugriff auf die Daten erhalten.

Bisher sei VW einer der größten "Literatur-Produzenten" der Welt gewesen. Allein durch die Markteinführung der Modelle Lupo, Bora und Beetle seien rund 5500 Seiten an zusätzlichem Werkstatt-Text für Schulungszwecke und als Reparaturanleitung entstanden.

Neben mehr Elektronik setzt VW künftig in seinen neuen Werkstätten auf mehr Transparenz. Der Autobesitzer könne in den neuen Volkswagen Service Centern vom Kaufraum aus zusehen, von wem und wie sein Fahrzeug repariert werde. Die üblichen Trennmauern zwischen der Fahrzeugausstellung und der Werkstatt würden wegfallen. Weitere Neuerung: Auch Halter von Marken, die nicht zum VW-Konzern gehören, könnten künftig Verschleißteile wie Abgasanlagen, Stoßdämpfer oder Reifen in einem Car Center Fachmarkt für einen Komplettpreis kaufen und in ihre Fahrzeuge einbauen lassen.

Die ersten Service-Center seien in Bochum entstanden, ein weiteres entstehe derzeit in Kempten. In Bochum stehe auch der erste Car Center Fachmarkt. VW biete hier ein Komplettangebot von Teilen und Zubehör für alle Automarken an und biete auch den Sofortein- oder -anbau vor Ort an.

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