Wirtschaft : Elektronischer Big Brother

Kontrollsysteme sollen Mautpreller entlarven

Tobias Symanski

Notorische Autobahn-Raser waren in den letzten Wochen schwer verunsichert. Die Schnellen von der linken Spur ließen des Öfteren ihre Bremslichter aufleuchten, obwohl weit und breit kein Tempolimit-Schild zu sehen war. Manche bremsten so kräftig, dass es sogar zu Auffahrunfällen kam. Sie hatten eine Blitzanlage erkannt, wo gar keine war. Denn die mit Kameras ausgestatteten Stahlgestelle, die jetzt überall an den Autobahnen errichtet werden, sind nur Kontrollbrücken für die Überwachung der neuen Autobahnmaut für Lastkraftwagen.

Mehr als 100 dieser insgesamt 300 Kontrollpunkte wurden bereits bundesweit aufgestellt. Verantwortlich für den Aufbau und den Betrieb des modernsten Maut-Systems in Europa ist das Unternehmen Toll Collect mit Sitz in Potsdam. An ihm sind der Autokonzern Daimler-Chrysler mit seiner Berliner Tochter Daimler-Chrysler Services, die Deutsche Telekom und der französische Autobahnbetreiber Cofiroute beteiligt. Vor einem Jahr hatten die drei den Zuschlag für den Staatsauftrag erhalten und dabei den Mitbewerber Ages, ein Konsortium um den Mobilfunkkonzern Vodafone, ausgestochen. Eine Klage gegen die Vergabepraxis der Bundesregierung hatte Vodafone erst zurückgezogen, als Ages auch mit an Bord geholt wurde: Als Zulieferer wird das britische Konsortium nun etwa 20 Prozent des Geschäftsvolumens abdecken. Dabei geht es um viel Geld. 650 Millionen Euro jährlich wird der Bund an Toll Collect für den Betrieb des Mautsystems zahlen.

Das System funktioniert so: Im Normalfall führt der Lkw ein radiogroßes Maut-Gerät, die so genannte On-Board-Unit, mit sich. Dieser Apparat sendet permanent Signale an einen Satelliten. So lässt sich feststellen, wo der Brummi auf die Autobahn aufgefahren ist und wo er sie wieder verlassen hat. Diese Daten werden an einen Zentralrechner nach Potsdam weitergeleitet, der die Gebühr für jeden einzelnen Lkw ausrechnet. Es gibt aber zwei weitere Möglichkeiten, sich zu registrieren. Entweder wird die Strecke vor Fahrtantritt über das Internet gebucht oder an einem der 3500 Automaten an deutschen Raststätten, Autohöfen und Grenzübergängen angemeldet. Um Mautprellerei zu verhindern, werden die Brummifahrer künftig von mehr als 900 Beamten vom Bundesamt für Güterverkehr überwacht. Die Daten über zu kontrollierende Fahrzeuge erhalten sie von den 300 Brücken, die über den Fahrstreifen angebracht sind. Infrarotsensoren tasten die Fahrzeuge dreidimensional ab und registrieren potenzielle Mautpreller, die dann von den Wächtern vor einem Parkplatz abgefangen werden.

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