Wirtschaft : Elf Aquitaine startet Gegenangebot für Total-Fina

PARIS (rtr). Zwei Wochen nach dem feindlichen Übernahmeversuch von Total-Fina hat der französische Ölkonzern Elf Aquitaine eine Gegenofferte für den Konkurrenten abgegeben. Elf erklärte am Montag in Paris, das Unternehmen biete drei eigene Anteilsscheine zuzüglich 190 Euro für jeweils fünf Total-Fina-Aktien. Das Angebot beläuft sich auf 50,3 Mrd. Euro (rund 98,4 Mrd. DM). Total-Fina hatte 42 Mrd. Euro für Elf geboten. Elf lehnt eine Übernahme durch Totalfina ab und versucht nun mit der Gegenofferte, das Vorhaben zu vereiteln. Total-Fina will nach eigenen Angaben in den kommenden Tagen über das weitere Vorgehen beraten und zugleich die eigene Offerte vorantreiben.Elf will den Angaben zufolge nach der Total-Fina-Übernahme den neuen Konzern in zwei Bereiche aufteilen. Dadurch sollten ein reiner Energiekonzern und ein separates Chemieunternehmen entstehen. Der Energiekonzern wäre dann der viertgrößte der Welt. Die Chemikaliensparte würde weltweit auf Platz fünf rangieren. Elf-Chef Philippe Jaffre erklärte, der Übernahmeplan von Total-Fina habe es versäumt, ein neues Industrieprojekt ins Leben zu rufen. Die Realisierung des Vorhabens von Elf würde dagegen einen wachstumsträchtigen Energiekonzern und eine direkt durch die Aktionäre kontrollierte Chemiegruppe schaffen.Jaffre sagte auf einer Pressekonferenz, das Angebot seines Unternehmens sei zwar unerbeten, er hoffe aber, daß es als freundlich angesehen werde. Elf erwarte ab dem dritten Jahr der Fusion jährlich Synergievorteile von 2,5 Mrd. Euro vor Steuern, mehr als doppelt so viel wie von Total-Fina geschätzt. Es sei ein höherer Stellenabbau vorgesehen als bei der geplanten Übernahme von Elf durch Total-Fina. Weltweit sollten 6000 Arbeitsplätze gestrichen werden, 2000 davon in Frankreich. Der Elf-Chef fügte hinzu, er rechne nicht mit einem Widerstand der Regierung gegen das Angebot des Konzerns. Die Regierung in Paris hatte sich mit der ursprünglichen Übernahmeofferte von Total-Fina für Elf einverstanden erklärt. Jaffre erwartet, daß die Finanzmarktaufsicht CMF und die Börsenaufsicht COB die Offerte noch im Juli genehmigen würden. Das Angebot könnte dann in der ersten August-Woche offiziell gestartet werden.Total-Fina erklärte ebenfalls am Montag, das Unternehmen halte an der eigenen Offerte fest. Elf habe nun offenbar die Vorteile einer Fusion realisiert, hieß es. Der Verwaltungsrat der Gesellschaft werde in den kommenden Tagen über das weitere Vorgehen beraten. Das Anfang des Monats vorgelegte Projekt von Total-Fina sieht die Bildung einer einzigen Gruppe vor. Der französisch-belgische Konzern bietet vier eigene Aktien für drei Elf-Aktien. Elf hatte das Angebot sofort als "feindliche Übernahme" abgelehnt. Der französische Staat billigte jedoch das Angebot von Total-Fina. Der Elf-Konzern beschäftigt weltweit 85 000 Mitarbeiter, Total-Fina 71 600. Nach Berechnungen von Total-Fina könnten durch die Integration von Elf innerhalb von drei Jahren 4000 Stellen eingespart werden, davon etwa die Hälfte in Frankreich. Auch Total-Fina versicherte, Entlassungen seien nicht geplant. Das Einsparpotential der Fusion schätzt der Konzern auf 1,2 Mrd. Euro.Branchenkenner äußerten sich skeptisch zu dem Gegenangebot von Elf. Analysten sagten, Elf habe auf die Total-Fina-Offerte einfach reagieren müssen. Die Aufteilung des fusionierten Konzerns in zwei Unternehmen würde die neue Gesellschaft allerdings eher schwächen. Außerdem schienen die erhofften Synergieeffekte zu hoch angesetzt zu sein, hieß es. Die Aktien der beiden Unternehmen wurden am Montag morgen an der Börse in Paris vom Handel ausgesetzt. Nach der Wiederaufnahme des Handels am Nachmittag legten Total-Fina um 2,8 Prozent auf 134 Euro zu. Elf verteuerten sich zugleich um 0,6 Prozent auf 177 Euro.

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