Wirtschaft : EM.TV: Aktionärsschützer verklagen den Medienkonzern

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Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat beim Landgericht München wegen der jüngsten Gewinnwarnung der Unterföhringer EM.TV & Merchandising AG eine Strafanzeige wegen Verstoß gegen Wahrheitspflichten eingereicht. Man habe die Anzeige gegen Unbekannt gestellt, um eventuellen Ermittlungen der Behörden möglichst breiten Raum zu geben, sagte DSW-Geschäftsführer Jörg Pluta in Düsseldorf. Paragraf 400 des deutschen Aktiengesetzes sehe bei einer bewusst falschen Darstellung von Firmendaten eine Geldstrafe und bis zu drei Jahre Haft vor. Die DSW habe schon mehrmals vergeblich versucht, mit Berufung darauf eine Verurteilung von Vorständen zu erreichen, räumte Pluta ein. EM.TV und die "unseligen Auftritte der Gebrüder Haffa" seien aber ein "eindeutiger Fall", weshalb er hinsichtlich dieser Klage zuversichtlich sei.

EM.TV-Chef Thomas Haffa und sein inzwischen wegen des Finanzdebakels zurückgetretener Bruder Florian, der lange als EM.TV-Finanzvorstand tätig war, hätten bis Mitte November an einem erwarteten Gewinn vor Steuern und Zinsen von 600 Millionen Mark festgehalten und wider besseres Wissen erst Anfang dieser Woche ihre Prognosen um gut eine halbe Milliarde Mark auf 50 Millionen Mark nach unten korrigiert.

Unterdessen sind beim Münchner Landgericht neben dem Schriftsatz der DSW drei weitere Anzeigen gegen EM.TV eingegangen, bestätigte ein Sprecher. Voraussichtlich bis Mitte kommender Woche prüfe man nun, ob Ermittlungen eingeleitet werden. Wer die drei anderen Kläger sind, wollte die Behörde nicht sagen. Zu den vier Klagen kommt im Übrigen noch mindestens eine fünfte hinzu. Denn die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) bereitet voraussichtlich für kommende Woche eine weitere Anzeige gegen EM.TV vor, kündigte eine Sprecherin an. Weil in Deutschland bislang wegen bewusst falscher Aussagen noch kein Manager einer Aktiengesellschaft verurteilt worden sei, wolle man die eigene Klage "außerordentlich gründlich ausarbeiten", sagte eine SdK-Sprecherin.

Falls es bei EM.TV zur bundesweit ersten Verurteilung von Vorständen wegen Falschaussagen komme, seien in einem zweiten Schritt auch persönliche Schadensersatzklagen gegen einzelne Manager möglich, sagte Pluta. Geprüft wird der Fall EM.TV mit Blick auf möglichen Insiderhandel auch vom Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel. EM.TV weist indessen alle Vorwürfe zurück. "Wir haben immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt", sagte ein Sprecher. Auch Thomas Haffa, der als EM.TV-Chef selbst 44 Prozent am Unternehmen hält, hatte zuletzt eine persönliche Mitschuld am Absturz des Konzerns oder ein Zurückhalten von Informationen vehement bestritten. An der Börse erholte sich der Kurs der zuletzt drastisch gefallenen EM.TV-Aktie am Freitag im Handelsverlauf um einige Prozent auf 7,60 Euro.

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