Wirtschaft : EM.TV: Analysten haben noch viele Fragen an Thomas Haffa

Mit dem geplanten Einstieg der Kirch-Gruppe bei der Münchener EM.TV & Merchandising AG ist der angeschlagene Filmrechtehändler nach der Ansicht von Analysten erst einmal gerettet - wesentliche Fragen über die Zukunft des Unternehmens bleiben aber ungeklärt. So seien die Konflikte in Vorstand und Aufsichtsrat noch immer nicht ganz ausgestanden. Weiter ungeklärt sei auch das Verhalten des Formel-1-Chefs Bernie Ecclestone. "Der kann EM.TV das Leben noch schwer machen", vermutete ein Londoner Analyst. Zeitungsberichten zufolge wollte der Brite den Einstieg von Kirch bei der Formel 1 verhindern, weil er eine zu starke Verhandlungsposition Kirchs bei der Vergabe der Fernsehrechte für die Rennsportserie befürchtete.

Eine Bewertung des Unternehmens oder Empfehlungen für die Aktie mochten die meisten Analysten angesichts der Unsicherheiten noch nicht abgeben. Eine Trendwende für den Aktienkurs, der von einem Rekordhoch von 120 Euro Anfang 2000 auf zeitweise knapp vier Euro eingebrochen war, sehen sie daher nicht in naher Zukunft.

Die Einigung sei ein positives Signal für die Geschäftspartner von EM.TV, dass die Projekte nun mit der Rückendeckung eines starken Konzerns fortgeführt werden könnten, hieß es bei den Experten. Nach den internen Querelen bei EM.TV, bei denen sich Vorstandschef Thomas Haffa schließlich gegen Aufsichtsratschef Nickolaus Becker - dessen Rücktritt noch in dieser Woche erwartet wird - und andere Vorstandsmitglieder durchsetzte, sei es nun an der Zeit, dass sich der Filmrechtehändler wieder auf das operative Geschäft konzentriere. Das habe unter der angespannten Situation in den letzten Wochen sicher sehr gelitten, sagte Oliver Rupprecht von M.M. Warburg. "Der Deal ist die erste positive Nachricht seit Wochen über EM.TV", hieß es auch bei den Analysten der Investmentbank Merrill Lynch. Dadurch sei das Weiterbestehen des Filmrechtehändlers und die Zahlungen der kurzfristig fälligen Verbindlichkeiten erst einmal gesichert. EM.TV hat nach Einschätzungen von Analysten durch zahlreiche Zukäufe einen Schuldenberg von 1,12 Milliarden Euro angehäuft.

Marc Röhder von HSBC Trinkaus & Burghardt riet, weiter die Finger von der Aktie zu lassen. Angesichts der vielen offenen Fragen sei eine fundamentale Bewertung des Unternehmens nicht möglich. Er stuft die EM.TV-Aktie weiter auf "Verkaufen" mit einem Kursziel von 6,50 Euro ein. "Das Unternehmen hat weiter massive Probleme", sagte er. Unsicher sei zum Beispiel, was mit dem Anteil von 45 Prozent an der Tele Gruppen München (TMG) passiere, den EM.TV vermutlich aus kartellrechtlichen Gründen abgeben müsse. Das Kerngeschäft laufe ebenfalls nicht gut. "Erst wenn konsolidierte Zahlen für das vergangene Jahr vorliegen und das Unternehmen ein paar Aussagen über die zukünftige Strategie getroffen hat, kann man die Aktien seriös bewerten", sagte Röhder.

Für weitere Spannung könnte derweil Bernie Ecclestone sorgen. Mit der finanziellen Hilfe von Kirch will EM.TV bis Ende Februar eine Option zum Kauf von weiteren 25 Prozent an der Formel-1-Holding SLEC für knapp eine Milliarde Dollar ausüben. Damit würden Kirch und EM.TV zusammen 75 Prozent der SLEC kontrollieren, die restlichen 25 blieben bei Ecclestone. Ein Analyst in London erklärte: "Es ist immer noch unklar, wo er (Ecclestone) steht." Er könne sich nicht vorstellen, dass Ecclestone allzu begeistert über den Deal sei, fügte ein anderer Analyst hinzu. In Zeitungsberichten hieß es, Kirch habe sogar eine informelle Vereinbarung mit dem Formel-1-Chef getroffen. Auch die an der Rennsportserie beteiligten Autohersteller sind an einem Formel-1-Anteil interessiert. Es sei wahrscheinlich, dass sich EM.TV ganz oder teilweise von seinem SLEC-Aktienpaket trennen werde, stellte die Privatbank Merck Finck & Co fest. "Im Gegenzug könnte EM.TV möglicherweise die Merchandisingrechte an den Rennstellen erhalten".

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