Wirtschaft : EM.TV: Aufsichtsratschef lehnt Rücktritt ab

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Medienkonzerns EM.TV, Nickolaus Becker, will nach eigenen Angaben trotz Rücktrittsforderungen im Amt bleiben, dem geplanten Einstieg der Kirch-Gruppe bei seinem angeschlagenen Unternehmen jedoch nicht im Wege stehen. Er habe sich nichts vorzuwerfen, weswegen ein Rücktritt für ihn kein Thema sei, erklärte Becker am Sonntag. Er sagte indes auch: "Wenn der letzte offene Punkt nur noch meine Person ist und ansonsten ein zufrieden stellender Deal für die Aktionäre erreicht werden könnte, soll es sicherlich nicht an meiner Person scheitern." Am Freitag war aus Unternehmenskreisen verlautet, die Kirch-Gruppe mache Beckers Ablösung zu einer wesentlichen Voraussetzung für eine Einigung über den geplanten Einstieg bei EM.TV.

In einem Fax erklärte Becker am Sonntag, Kirch habe ihn am 3. Dezember 2000 persönlich gebeten, den Aufsichtsratsvorsitz zu behalten, falls die Vereinbarung mit der Kirch-Gruppe zum Tragen komme. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal Europe" war es kurz vor Weihnachten jedoch zu einem Streit zwischen Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn und Becker gekommen.

Ein Kirch-Sprecher sagte am Wochenende: "Als künftiger EM.TV-Aktionär mit 25,1 Prozent der Stimmen haben wir keine Präferenzen für die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden." Auch ein Sprecher von EM.TV sagte, ein Rücktritt Beckers stehe nicht zur Debatte. Man wolle die Gespräche mit Kirch rasch zum Abschluss bringen.

Der "Spiegel" berichtet dagegen, Becker stehe wohl vor dem Rücktritt. EM.TV-Chef Thomas Haffa, der zusammen mit seinem Bruder nahezu 50 Prozent der EM.TV-Aktien besitzt, wolle den geplanten Einstieg Kirchs nicht an dieser Personalfrage scheitern lassen. Der 51-jährige Münchner Rechtsanwalt hatte EM.TV auch bei zahlreichen Transaktionen beraten, unter anderem beim Einstieg in die Formel Eins und der Übernahme der Jim Henson Company. Nach der drastischen Gewinnwarnung von EM.TV im Dezember waren ihm daher schwere Verhandlungsfehler vorgeworfen worden. Aktionärsschützer forderten bereits damals Beckers Rücktritt.

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