Wirtschaft : EM.TV: Aufsichtsratschef unterliegt im Kampf um den Medienkonzern

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EM.TV-Aufsichtsratschef Nickolaus Becker ist zurückgetreten und hat damit seine Niederlage im Machtkampf um den angeschlagenen Medienkonzern eingestanden. Am Donnerstag war ein solcher Schritt noch offiziell in Abrede gestellt worden. Becker hatte sich lange gegen den bevorstehenden Einstieg der Kirch-Gruppe bei EM.TV gewehrt und versucht, ein Gegenkonsortium zu bilden. Bedauerlicherweise habe er Becker nicht von seinem Rücktritt abbringen können, ließ EM.TV-Chef Thomas Haffa mitteilen und dankte seinem zeitweiligen Gegenspieler für dessen außergewöhnliches Engagement im Interesse der EM.TV-Aktionäre. Anfang Februar hatte Haffa noch ganz anders über Becker geurteilt und ihn zum Rücktritt aufgefordert: Als Aufsichtsratschef habe er gesetzliche Verpflichtungen "gröblich missachtet" und "gesellschaftsfremde Interessen verfolgt". Die Berufung eines neuen Aufsichtsratschefs behält sich Haffa, der 45 Prozent der EM.TV-Anteile hält, dem Vernehmen nach vor.

Kein leichtes Spiel mit Ecclestone

Kein leichtes Spiel haben Haffa und Kirch dagegen im Fall von Formel 1-Chef Bernie Ecclestone. Zwar zeigten sich Sprecher von EM.TV und Kirch zuversichtlich, dass der Brite kein rechtswirksames Veto gegen einen Einstieg Kirchs in die Formel 1-Holding Slec im Zuge des Schulterschlusses mit EM.TV ausüben könne. Es gebe aber offene Fragen und Gesprächsbedarf, räumte ein Kirch-Sprecher ein, nachdem Einsprüche von dieser Seite bislang ausgeschlossen wurden. Man suche keinen Rechtsstreit sondern einen Konsens für die Formel 1, möglichst auch unter Einschluss der im Rennsport engagierten Autokonzerne.

Ecclestone zufolge ist jedoch in den Firmenstatuten der Slec festgelegt, dass kein Fernsehsender als Eigentümer ins Formel 1-Geschäft einsteigen dürfe. Das wäre aber mittelbar der Fall, wenn die Kirch-Gruppe (Sat 1, Kabel 1, Premiere) im Zuge des Deals mit EM.TV rund 24,5 Prozent der Slec übernehmen würde. Eine beherrschende Stellung würde das Duo Kirch/EM.TV bei der Rennsportholding erreichen, wenn Ecclestone, einer früheren vertraglichen Vereinbarung mit EM.TV folgend, Ende des Monats weitere 25 Prozent an der Slec zum Fixpreis von zwei Milliarden Mark an die Unterföhringer verkaufen müsste. Die Kirch-Gruppe sieht keine Möglichkeiten für Ecclestone, das zu verhindern. Man wolle im Zuge des EM.TV-Einstiegs lediglich 49 Prozent an der Vorschaltgesellschaft Speed übernehmen, die die Slec-Anteile der EM.TV hält. 51 Prozent und damit die Kontrolle blieben bei EM.TV. Der Brite wolle auf die Formel 1 weiter Einfluss nehmen und sich das Heft von Kirch nicht aus der Hand nehmen lassen, schätzt ein Branchenkenner. Die bisherigen Äußerungen Ecclestones wertet er als taktisches Geplänkel, das sich aber zu einem Machtkampf ausweiten könne.

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