Wirtschaft : EM.TV: Börse verhängt 60 000 Euro Strafe

Wegen der verspäteten Abgabe des Berichts zum 1. Quartal 2001 hat die Deutsche Börse gegen den angeschlagenen Medienkonzern EM.TV ein Strafgeld von 60 000 Euro (117 350 Mark) verhängt. Wie die Börse am Freitag in Frankfurt mitteilte, hatte die am Neuen Markt notierte Firma die Abgabefrist um 19 Handelstage überschritten. Eine EM.TV-Sprecherin sagte: "Wir werden das prüfen lassen." Auch die EM.TV-Hauptversammlung vom vergangenen Mittwoch wird voraussichtlich noch ein Nachspiel haben.

EM.TV hatte bereits den testierten Abschluss des Jahres 2000 zu spät vorgelegt. Das Unternehmen begründete die Verspätungen früher mit komplizierten Bilanzierungsvorgängen wegen der zahlreichen Beteiligungen. "Die Höhe der Sanktion trägt dem Umstand Rechnung, dass der Quartalsbericht ein zentrales Informationsinstrument für den Anleger ist und dessen rechtzeitige Zurverfügungstellung eines der wesentlichen Qualitätskriterien des Neuen Marktes ist", begründete die Börse ihre Sanktionsmaßnahme wegen des verspäteten Quartalsberichts.

Die krisengeschüttelte Medienfirma steckt nach einem Milliarden-Verlust im vergangenen Jahr auch 2001 tief in den roten Zahlen. Nach dem Rücktritt von Vorstandschef und Firmengründer Thomas Haffa erhoffen sich die Aktionäre vom designierten Nachfolger Werner Klatten Besserung beim Geschäftsverlauf und auch in der Buchführung. Nach der Hauptversammlung drohen dem Unternehmen nun erst einmal mögliche Anfechtungsklagen. Umstritten war bei der Veranstaltung unter anderem, ob Thomas Haffa über die Verschiebung der Entlastung des Vorstands mit abstimmen durfte. Mit den Stimmen Haffas votierte die Hauptversammlung für die Verschiebung. Allerdings wäre die Abstimmung auch ohne Berücksichtigung des Haffa-Pakets von rund 43 Prozent nicht anders ausgegangen.

Zudem wurde über einen Antrag der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) auf eine Sonderprüfung nicht abgestimmt. Mehrere Aktionärsvertreter und Anwälte kündigten die Prüfung von Anfechtungsklagen an. Der Münchner Rechtsanwalt Klaus Rotter sagte der "Süddeutschen Zeitung" (Freitag) er werde "ziemlich sicher" die verschobene Entlastung anfechten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben