Wirtschaft : EM.TV: Konzern-Chef Thomas Haffa unter Druck

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Auch am Tag nach dem vermeintlich reinigenden Gewitter bei der Unterföhringer EM.TV & Merchandising AG bleibt die Aktie des TV-Rechtevermarkters am Neuen Markt auf Talfahrt. Das Papier verlor zeitweise erneut ein Fünftel seines Werts auf rund acht Euro je Aktie, nachdem es bereits am Montag etwa 40 Prozent eingebüßt hatte. Damit zeigt der Einstieg der Kirch-Gruppe mit einer Sperrminorität von gut 25 Prozent der Stimmrechte bisher nicht die von EM.TV-Chef Thomas Haffa erhoffte Wirkung, der damit die "schwierige Phase" seines Konzerns überwunden glaubte. Mit dem weiteren Schicksal der EM.TV eng verknüpft ist auch die persönliche Zukunft von Haffa selbst, der das Unternehmen vor elf Jahren gegründet hatte und inzwischen als "Übergangslösung" gehandelt wird. Im Gegensatz zu seinem Bruder und Ex-Finanzchef Florian Haffa konnte sich Thomas Haffa öffentlich zu keinem Schuldeingeständnis durchringen. Das ist im Hause Kirch dem Vernehmen nach nicht mit Sympathie aufgenommen worden. Der in der Vergangenheit offenbar allzu autark entscheidende Manager müsse sich künftig sein Vorgehen von Kirch absegnen lassen, meinen Insider. Als Marketingexperte seien seine Fähigkeiten aber unbestritten. Wichtiger für seine persönliche Zukunft sei die strategische Gesamtkonzeption, in die EM.TV als Kirch-Beteiligung künftig eingebettet sein wird. Einige Geschäftsteile verliert der Newcomer auf alle Fälle. So wird die Übernahme eines 45-prozentigen Anteils an der Tele-München-Gruppe (TMG) rückabgewickelt. Zu welchen Konditionen TMG-Miteigentümer Herbert Kloiber den Anteil zurückkaufen wird und ob daraus ein weiteres Minusgeschäft resultiert, will EM.TV bislang nicht sagen. Die ebenfalls vor kurzem mit großer Überzeugung akquirierten 50 Prozent an der Formel 1-Holding Slec muss sich EM.TV künftig mit Kirch teilen, der auch eine eventuelle Aufstockung des Slec-Anteils mitfinanzieren soll. Auch das Slec-Engagement könnte bei EM.TV zu neuen Buchverlusten führen.

Das Vertrauen von Anlegern und Börsianern hat Haffa einstweilen verspielt. Gleichwohl hält die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) Klagen von Privatanlegern gegen den angeschlagenen Konzern für wenig aussichtsreich. Das deutsche Recht ermögliche das Einklagen eines individuellen Schadensersatzes kaum, sagte ein DSW-Sprecher am Dienstag.

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