Wirtschaft : EM.TV: Neuer Insiderverdacht gegen Haffa

Thomas Haffa, Vorstandschef des Münchner Medienkonzerns EM.TV, muss sich gegen neue Vorwürfe im Zusammenhang mit illegalen Insidergeschäften wehren. Mit dem Verkauf von EM.TV-Aktien habe Haffa möglicherweise gegen Börsen-Bestimmungen verstoßen, meldet "Der Spiegel" in seiner jüngsten Ausgabe. Der EM.TV-Chef habe sich zwar im November 1999 im Rahmen einer Kapitalerhöhung verpflichtet, sechs Monate lang keine Aktien zu veräußern. In einem "Spiegel"-Interview habe Haffa allerdings eingeräumt, Anfang des Jahres 2000 für etwa 40 Millionen Mark Aktien seines Unternehmens "an einen strategischen Investor" verkauft zu haben. Diese Aussage könnte zum Gegenstand weiterer Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft werden. Die Staatsanwaltschaft hat Thomas Haffa und seinen Bruder Florian, den früheren Finanzvorstand von EM.TV, bereits wegen möglicher Verstöße gegen das Aktiengesetz ins Visier genommen.

Die im Börsenprospekt notwendige Zustimmung der Konsortialbank WestLB für Haffas Aktien-Verkauf lag dem Bericht zufolge nicht vor. "Die Bank hat keine Kenntnisse von den Verkäufen gehabt", sagte ein WestLB-Sprecher dem "Spiegel". Ein EM.TV-Sprecher habe dagegen gesagt, die Bank sei informiert gewesen. Eine Stellungnahme des EM.TV-Konzerns war am Sonnabend nicht erhältlich. Unbeeindruckt von der Veröffentlichung der neuen Vorwürfe war der Aktienkurs am Freitag um zwischenzeitlich fast zehn Prozent auf rund sechs Euro gestiegen. Das Jahreshoch hatte bei etwa 120 Euro gelegen. Die EM.TV & Merchandising AG, München, hatte ihre Prognosen für 2000 drastisch um fast 500 Millionen Mark nach unten korrigiert. Laut "Spiegel" soll Haffa von der dramatischen Kurskorrektur frühzeitig gewusst und die im Aktiengesetz vorgeschriebene Gewinnwarnung zunächst zurückgehalten haben. Sollte dies zutreffen, hätte EM.TV Investoren bewusst getäuscht.

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