Wirtschaft : EM.TV: Neuer Vorstand soll aus der Krise führen

tmh/mot

Bei der Münchner EM.TV & Merchandising AG werden die Karten neu gemischt. Nach dem Ausstieg des Firmengründers und Großaktionärs Thomas Haffa will der bisherige "Spiegel"-Verlag-Manager und ehemalige Sat 1-Geschäftsführer Werner E. Klatten das angeschlagene Medienunternehmen aus der Krise führen. Anfang 2002 löst er Haffa ab. Zu einem ungenannten Preis übernimmt Klatten zugleich 25,1 Prozent der EM.TV-Anteile von Haffa, der 16,4 Prozent an der Gesellschaft behält. Die Rede ist von einem Verkaufspreis von rund 200 Millionen Mark. EM.TV prüfe den Verkauf weiterer Beteiligungen und wolle die eingeleitete Konsolidierung fortsetzen, sagte Klatten am Mittwoch in München. "Wir verschleudern aber keine Juwelen des Unternehmens." EM.TV wolle sein Kerngeschäft, den Handel mit Fernseh- und Merchandising-Rechten, stärken und in Europa expandieren, sagte er. Die im Nemax 50 des Neuen Marktes notierte EM.TV-Aktie legte in der Spitze um mehr als 30 Prozent auf 3,09 Euro zu. Im März 2000 hatte das Papier noch bei 120 Euro notiert.

Sein Rückzug aus dem Unternehmen sei vollständig, stellte Haffa sichtlich bewegt klar. "Ich strebe keine Aufsichtsrats- oder andere Positionen an," sagte er mit Tränen in den Augen. EM.TV sei nach dem Absturz der vergangenen Monate in ruhigerem Fahrwasser angelangt. Klatten sei ein Nachfolger, "wie ich ihn mir besser nicht hätte vorstellen können". Er räumte ein, ein Unternehmen zu verlassen, das Vertrauen zerstört und den Aktionären Verluste beschert habe. Nach den Worten Haffas übergibt er das zu Jahresbeginn noch mit 1,5 Milliarden Mark Schulden darstehende Unternehmen praktisch ohne Bankverbindlichkeiten. Nachdem zunächst die Münchner Kirch-Gruppe ein Minus von 1,25 Milliarden Mark getilgt hatte, seien in der Nacht zum Mittwoch für 103 Millionen US-Dollar Anteile an die US-Unternehmen Hallmark und Crown Media verkauft worden.

Mit dem Eintritt Klattens muss nun auch die Rolle der Kirch-Gruppe bei EM.TV neu definiert werden. Leo Kirch werde zwar über eine Kapitalerhöhung demnächst EM.TV-Aktionär werden, dabei aber nach Absprache nur einen Anteil von zehn bis 15 Prozent erwerben, sagte Klatten. Urspünglich wollte Kirch gut 16 Prozent der EM.TV-Anteile und 25,1 Prozent der Stimmrechte erwerben. Dieser Plan ist nun hinfällig, weil zum einen Klatten nach eigenem Bekunden als künftiger Großaktionär einen deutlichen Abstand zum nächstgrößeren Miteigentümer wünscht. Zum anderen hat offenbar die von Herbert Kloiber geführte Tele-München-Gruppe (TMG), dafür gesorgt, dass Kirch seinen Plan aufgeben muss, bei EM.TV bestimmenden Einfluss zu nehmen. Der Einstieg Kirchs in der beabsichtigten Form sei mit kartellrechtlichen Mitteln blockiert worden, sagte Klatten. Der Hintergrund: Das Kartellamt hatte zur Bedingung gemacht, dass EM.TV vor einem Einstieg Kirchs seinen 45-Prozent-Anteil an der TMG verkauft. Kloiber hatte jedoch alle denkbaren Käufer abgelehnt.

Klatten machte deutlich, dass binnen zwölf Monaten das EM.TV-Portfolio bereinigt werde. Mit Blick auf das für 680 Millionen US-Dollar erworbene US-Unternehmen Jim Henson Company ("Muppet-Show") und den Anteil an der Formel 1-Dachgesellschaft Slec sagte Klatten: "Jede Beteiligung des Unternehmens wird auf Kauf oder Verkauf untersucht." Ein detailliertes Zukunftskonzept für EM.TV will der kommende Großaktionär am 1. August auf der Hauptversammlung präsentieren.

Unterdessen zeigten sich die Anwälte jener Kleinaktionäre, die Haffa auf Schadenersatz verklagt haben, zuversichtlich, dass es noch in diesem Jahr zu weiteren Verhandlungen in der Sache EM.TV kommen werde. "Wir hoffen, dass der Fall Haffa schnell vor den Europäischen Gerichtshof gelangt", sagte Dietmar Kälberer von der Kanzlei Tilp & Kälberer, Berlin, die eine Vielzahl von Klagen gegen EM.TV führt, dem Tagesspiegel.Neuer Vorstand soll EM.TV aus der Krise führen

Thomas Haffa verkauft ein Viertel des Unternehmens an "Spiegel"-Manager Klatten / Weniger Einfluss für Kirch / Aktie explodiert

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