Wirtschaft : EM.TV: Seine letzte Chance

Henrik Mortsiefer

Thomas Haffa hat seit Donnerstag ein Problem weniger. Wenigstens sieht es auf den ersten Blick so aus. Denn Ziehvater Leo Kirch greift zur Finanzspritze und rettet EM.TV vor dem Untergang. Auf den zweiten Blick aber wird klar, dass Haffa nur aus dem Allergröbsten heraus ist. Nach dem Ende aller Spekulationen um die Hilfsbereitschaft Kirchs steht jetzt ein neues Thema auf der Tagesordnung: Thomas Haffa selbst. Der EM.TV-Gründer hat von Kirch eine letzte Chance bekommen zu beweisen, dass er für EM.TV unentbehrlich ist - in den Verhandlungen um die Fomel 1, bei der Sanierung der maroden Finanzen, bei der Rückbesinnung auf das Kerngeschäft als Entertainer und Lizenzhändler. Dass Haffas Kontakte und seine bauernschlaue Verkäufernatur Gold für EM.TV waren, ist lange behauptet worden. Der Niedergang des Börsenlieblings hat das Vertrauen in sein Talent erschüttert. Inzwischen ist Haffa zu einer Last geworden. Auch Leo Kirch wird das wissen. Aber der Retter in der Not wird im Zweifel das "old-boys"-Netz nicht zerreißen und nur EM.TV-Aufsichtsratschef Nickolaus Becker opfern. Beweisen muss sich Haffa bei anderen: Vor dem Staatsanwalt, vor den auf Schadenersatz klagenden Aktionären und am Kapitalmarkt. Die Börse hat am Donnerstag einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie sie mit EM.TV verfahren wird, sollten sich nicht bald klare Perspektiven eröffnen. Als die Nachricht vom Einstieg Kirchs die Runde machte, griffen die Zocker zu. Sie nahmen Gewinne von 30 Prozent mit und ließen das Papier wieder fallen. Für einen schnellen Gewinn, wird sich mancher gedacht haben, ist Haffa immer gut. Für mehr hat es am Donnerstag noch nicht gereicht.

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