Wirtschaft : EM.TV: Showdown im Verhandlungs-Poker

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An diesem Mittwoch endet um 24 Uhr die Frist, die sich EM.TV-Chef Thomas Haffa und Leo Kirch gegeben haben, um den Einstieg der Kirch-Gruppe bei dem angeschlagenen Unternehmen zu besiegeln. Eine rechtzeitige Einigung wird inzwischen ausgeschlossen. "Alles andere wäre eine Überraschung", hieß es am Dienstag in Verhandlungskreisen. So wäre von Donnerstag an der Weg für EM.TV frei, andere Angebote zu prüfen.

EM.TV-Sprecher Michael Birnbaum gab sich am Dienstag gelassen. "Eine überraschende Wendung am Mittwochabend würde uns freuen", sagte er dem Tagesspiegel. Angaben zum Stand der Verhandlungen, die bisher mit der Zusage der Exklusivität nur mit Kirch geführt wurden, machte Birnbaum aber nicht. Er verwies aber erneut auf eine Reihe von konkurrierenden Angeboten, die EM.TV seit Dezember erhalten habe und die künftig von Interesse für das Münchner Unternehmen sein könnten. Eine Fristverlängerung in den Gesprächen mit Kirch hatten beide Seiten zuvor als möglich bezeichnet. Eine automatische Verschiebung ist offenbar in der Vorvereinabrung vorgesehen, auf die sich beide Unternehmen Anfang Dezember verständigt hatten. Voraussetzung ist aber, dass beide Verhandlungspartner einverstanden sind.

Die angeschlagene EM.TV hätte dann freilich nur einen Monat Zeit gewonnen. Bereits Ende Februar läuft eine weitere für das Unternehmen entscheidende Frist ab. Bis dahin hat Thomas Haffa noch das Recht, für einen fest gelegten Betrag von knapp einer Milliarde Dollar weitere 25-Prozent an der Formel-Eins-Holding Slec zu kaufen. 50 Prozent besitzt EM.TV bereits, Kirch will diesen Anteil für 550 Millionen Dollar übernehmen. Nach dem 28. Februar hat Haffa keine Wahl mehr: Slec-Chef Bernie Ecclestone kann dann seinerseits auf die Abnahme der zusätzlichen 25-Prozent-Tranche durch EM.TV bestehen. Nach den drastisch zurückgenommenen Geschäftsaussichten für das laufende Geschäftsjahr fehlt EM.TV dafür aber offenbar das nötige Geld. Die Kirch-Gruppe ist vor allem an den Fernseh-Übertragungsrechten an der weltweiten Rennsportserie interessiert, um ihren Pay-TV-Kanal auszulasten.

Beobachter rechneten am Dienstag damit, dass in den kommenden Tagen andere Interessenten an der Formel-Eins EM.TV konkrete Übernahmeangebote unterbreiten werden. "Es wird wahrscheinlich bald weitere Offerten geben", sagte Bernard Tubeileh, Medienanalyste bei der Investmentbank Merrill Lynch. "Es würde dann das passieren, was viele erwartet haben: EM.TV wird ausgeschlachtet." Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht dabei eine Gruppe von Investoren um den Münchner Medien-Unternehmer Herbert Kloiber. Auf Initiative von EM.TV-Aufsichtsratschef Nickolaus Becker soll Verhandlungskreisen zufolge die US-Investmentbank Hellmann & Friedmann die EM.TV-Anteile zunächst erwerben, einen Teil dann an Ecclestone zurückreichen und ihn damit zum Verzicht auf seine Option bewegen. Kloiber hat bislang keine Details zu diesem Gegenkonsortium erläutert und war am Dienstag zu keiner Stellungnahme bereit. "No comment", hieß es auch bei der Abernathy McGregor Group, der PR-Agentur von Hellmann & Friedmann. Zeitungsberichten zufolge soll die Offerte dem EM.TV-Aufsichtsrat und Ecclestone noch in dieser Woche vorgelegt werden.

An der Börse wurde auch am Dienstag weiter auf einen Erfolg der Gespräche zwischen Haffa und Kirch spekuliert. Die EM.TV-Aktie legte im Handelsverlauf zwei Prozent zu, bereits am Montag war der Kurs um mehr als neun Prozent gestiegen. "Es sieht wieder besser aus", sagte Bernard Tubeileh. Im besten aller möglichen Szenarien könne sich EM.TV nach dem Einstieg von Kirch von seinen Schulden befreien und dennoch an der Formel-Eins mitverdienen. Im für EM.TV schlimmsten Falle, so Tubeileh, würden die Filetstücke herausgelöst. Betroffen sein könnte davon auch die Muppets-Show, die Haffa Anfang 2000 für rund 680 Millionen Dollar von der Henson-Group übernommen hat. Mögliche Interessenten: Disney oder - so die jüngste Spekulation - Viacom. Käme das Kloiber-Konsortium zum Zuge, wäre EM.TV zwar liquide, aber "aus der Formel-Eins sicher raus", sagt Tubeileh. "Dann", sagt der Analyst, "ist die Gefahr groß, dass EM.TV endgültig zerpflückt wird."

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