Wirtschaft : EM.TV: Thomas Haffa gibt Insider-Handel zu

hps/jojo/mv

Die Situation der EM.TV & Merchandising AG wird immer prekärer. Seit Wochen gibt es Spekulationen, dass der geplante Einstieg der Kirch-Gruppe bei EM.TV gefährdet sei. Gestern wurde zudem bekannt, dass der EM.TV-Chef Thomas Haffa nun doch ohne die Genehmigung der Konsortialbanken 200 000 Aktien seiner Firma zum Preis von rund 100 Euro pro Stück Mitte Februar 2000 verkauft hat. Laut "Spiegel Online" vom Dienstag hat auch der frühere EM.TV-Finanzvorstand Florian Haffa über seinen Anwalt den Verkauf von Aktien in den vergangenen zwölf Monaten mitgeteilt. Dabei habe er aber nicht die Anzahl der verkauften Papiere genannt.

Bisher hatte Thomas Haffa erklärt, die Bestimmungen bei der Kapitalerhöhung im November 1999 nicht verletzt und die WestLB, Düsseldorf, informiert zu haben. Bei der Kapitalerhöhung hatte er mit den Konsortialbanken vereinbart, sechs Monate lang keine Papiere seines Unternehmens zu verkaufen. Bei einem Verfahren gegen den Börsenbrief-Herausgeber Egbert Prior in Mainz, zu dem Haffa als Zeuge geladen war, bekannte der EM.TV-Chef gestern "seinen Fehler". Er sei von strategischen Investoren zum Verkauf der Aktien im Wert von rund 40 Millionen Mark gedrängt worden. Der Deal hat - wie EM.TV gestern bestätigte - außerbörslich stattgefunden. Die WestLB will dennoch keine rechtlichen Schritte gegen den umstrittenen Vorstands-Chef unternehmen. Ein Sprecher der Bank sagte dem Handelsblatt: "Vertragliche Sanktionen sind nicht vorgesehen."

Die Verhandlungen zwischen Kirch und EM.TV gehen trotz der Spekulationen um schwer wiegende Interessensunterschiede weiter, wie beide Unternehmen bekräftigten. In der Firmenzentrale von EM.TV im Münchner Medien-Vorort Unterföhrung ging es gestern hoch her. Es gab Post aus dem Hause Kirch. Dieter Hahn, rechte Hand von Konzernchef Leo Kirch, schrieb an EM.TV-Vorstands-Chef Thomas Haffa, um seinen Willen zu unterstreichen, die Verhandlungen um einen Einstieg Kirchs bei der angeschlagenen Filmrechtefirma doch noch zu einem positiven Abschluss zu bringen. Zuvor hatte Kirch nochmals kräftig Druck gemacht und gedroht, die Verhandlungen abzubrechen.

Ob die Verhandlungen zwischen Kirch und EM.TV wie geplant bis Ende Januar beendet werden können, scheint immer fraglicher. Ursprünglich war Anfang Dezember vereinbart worden, dass die Kirch-Gruppe 25,1 Prozent der Stimmrechte von EM-TV und 49 Prozent der Anteile an der Formel-Eins-Beteiligung erhält. Dafür soll der Medienkonzern 550 Millionen Dollar zahlen. Ob Kirch diesen Betrag allein stemmen kann, ist offen. Außerdem muss sich Kirch an einer Call-Put-Option von knapp einer Milliarde Dollar beteiligen.

Die Duz-Freunde Thomas Haffa und Dieter Hahn versuchen offenbar, sich gegenseitig unter Druck zu setzen. Haffa und Hahn kennen sich noch aus gemeinsamen Zeiten bei Leo Kirch in der ersten Hälfte der achtziger Jahre. Aus EM.TV-Kreisen wurde gestern bekannt, dass dem Lizenzhändler Angebote nationaler und internationale Interessenten für die Formel-Eins-Anteile vorliegen. Wie EM.TV-Sprecher Michael Birnbaum sagte, werde bisher aber ausschließlich mit Kirch verhandelt.

Verfahren gegen Prior eingestellt

Das Amtsgericht Mainz hat das Verfahren gegen den Börsenjournalisten Egbert Prior wegen des Verdachts der Aktienkursmanipulation gegen eine Zahlung von 9000 Mark eingestellt. Nach den ersten beiden Verhandlungssitzungen hätten sich sowohl be- als auch entlastende Hinweise ergeben, sagte Richter Oliver Berg. Da jedoch einige Zeugenaussagen Widersprüche aufgeworfen hätten und sich weiterhin die Frage nach der Motivation des Angeklagten stelle, wären für die Fortführung der Verhandlung weitere Beweiserhebungen notwendig, die den Prozess in die Länge gezogen hätten.

Prior beteuerte weiter seine Unschuld. Die Staatsanwaltschaft Koblenz hatte ihm vorgeworfen, er habe in der Fernsehsendung "3sat Börse" im Sommer 1998 den Aktienkurs der EM.TV AG mit Hinweisen zu angeblich bevorstehenden Unternehmenskäufen der Firma beeinflussen wollen. Prior hatte in der Sendung unter Berufung auf ein Telefonat mit dem damaligen Finanzvorstand Florian Haffa gesagt, EM.TV arbeite "fieberhaft an Unternehmenskäufen". Auf Nachfrage, ob er wisse, welche Ideen Haffa habe, hatte er geantwortet: "Ich will ihn ja jetzt nicht ins Gefängnis bringen. Deswegen verzichte ich darauf, dazu näher einzugehen."

0 Kommentare

Neuester Kommentar