Wirtschaft : EM.TV: Verkauf an Kirch scheint perfekt

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Die Übernahme der anlehnungsbedürftigen EM.TV & Merchandising AG durch die Kirch-Gruppe scheint beschlossene Sache. Obwohl sich beide Unternehmen offiziell immer noch bedeckt halten, gehen Insider von einer Pressekonferenz am kommenden Montag aus, bei der neben einem EM.TV-Zwischenbericht auch der Einstieg von Kirch bekanntgegeben werde. Dem Vernehmen nach wollen die EM.TV-Manager Thomas und Florian Haffa, die knapp die Hälfte der Firmenanteile halten, diese fast vollständig gegen Anteile der Kirch Media GmbH & Co. KGaA tauschen. Den Firmenwert der Kirch Media hat deren Geschäftsführer Dieter Hahn zuletzt mit gut 20 Milliarden Mark beziffert. Der Börsenwert von EM.TV schwankt nach den jüngsten Kursstürzen um 5,5 Milliarden Mark.

Sollte das die Basis für den erwarteten Tauschhandel sein, würden die Haffa-Brüder etwa 14 Prozent der Kirch Media-Anteile erhalten. Zu 88,5 Prozent ist diese Kerngesellschaft der Kirch-Gruppe derzeit in Händen von Konzerngründer Leo Kirch und dessen Sohn Thomas. Angeblich unabhängig von Spekulationen über eine Übernahme von EM.TV deutete Hahn an, dass sich der für die zweite Hälfte 2001 vorgesehene Börsengang der Kirch Media verschieben könnte. "Das hängt davon, ab wie sich die Märkte entwickeln und was wir außerdem vorhaben," sagte der Kirch-Manager zu den Börsenplänen, ohne damit zu EM.TV Stellung zu nehmen.

Branchengerüchten zu Folge sucht EM.TV nach einem starken Partner, weil vor allem durch den jüngsten Einstieg des im Neuen Markt notierten Unternehmens bei der Formel 1-Dachgesellschaft Slec finanzielle Verpflichtungen in Milliardenhöhe drohen. Für 3,6 Milliarden Mark haben die Newcomer Formel 1-Macher Bernie Ecclestone jüngst die Hälfte des Unternehmens abgekauft. Zudem sind sie vertraglich verpflichtet, dem Rennsportmanager für über zwei Milliarden Mark 2001 ein weiteres Viertel der Gesellschaft abzunehmen, wenn dieser darauf besteht. Diese Vereinbarung gilt in Analystenkreisen als das Hauptproblem von EM.TV. Deshalb wird kontrovers über die Zukunft von Slec spekuliert. Kirch werde nach der EM.TV-Übernahme den 50-prozentigen Slec-Anteil herauslösen und selbst übernehmen, heißt es in firmennahen Kreisen. Andere Experten glauben, dass Kirch dafür keine Verwendung hat und an einem baldigen Weiterverkauf interessiert sei. Dafür gebe es Kandidaten, sagen Insider, ohne Namen zu nennen.

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