Wirtschaft : EM.TV: Vorstand und Aufsichtsrat wollen Abstimmung über die Entlastung vertagen

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Vorstand und Aufsichtsrat der Unterföhringer EM.TV & Merchandising AG scheuen offenbar das Urteil ihrer Aktionäre. Nach dem Willen beider Gremien soll jedenfalls ihre jeweilige Entlastung für das Vorjahr bei der Hauptversammlung am ersten August verschoben werden, teilte das Unternehmen in München mit. Ein solches Votum solle erst gefällt werden, wenn die EM.TV-Sanierung substanzielle Fortschritte gemacht habe und Erkenntnisse aus den bei Behörden und Gerichten anhängigen Verfahren gegen das EM.TV-Management vorliegen. Eine Unternehmenssprecherin sprach in diesem Zusammenhang von "Vorverurteilungen".

Mit diesem Vorgehen werde EM.TV eine Debatte beim Aktionärstreffen nicht verhindern, sagte eine Sprecherin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) auf Anfrage. Ohne die geplante Änderung der Tagesordnung würde die SdK versuchen, angesichts des durch Managementfehler ausgelösten Absturzes der EM.TV eine Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu verhindern. Rechtlich sei eine Verschiebung des Votums bis zur Hauptversammlung 2002 ohne Konsequenzen für das Management möglich, räumte die SdK-Sprecherin ein. Eine Aussprache über das Debakel würden die Kleinaktionäre in diesem August aber notfalls erzwingen. Im November stehe indessen ein erster Anhörungstermin für die gegen EM.TV laufende Schadensersatzklage bevor. Entscheidungen erwartet die SdK frühestens Ende 2002. "Wir wollen größte Transparenz," begründete der neue EM.TV-Aufsichtsratschef Bernd Thiemann das zur Hauptversammlung geplante Vorgehen. Mit einer kartellrechtlichen Genehmigung des Einstiegs der Kirch-Gruppe beim Absteiger rechnet er vor dem Aktionärstreffen nicht mehr. Dieser Schulterschluss soll das im Neuen Markt notierte Unternehmen, das eine fehlgeschlagene Expansion an den Rande des Abgrunds geführt hat, vor dem Aus retten. Die EM.TV-Aktie, die in der Spitze über 100 Euro Wert war, verlor erneut fünf Prozent auf 2,5 Euro.

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