Wirtschaft : EM.TV will sich von Verlustbringern trennen

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Nach tiefroten Zahlen im Geschäftsahr 2001 stehen der Münchner EM.TV & Merchandising AG zwei weitere Verlustjahre bevor. "Wir haben die Voraussetzungen geschaffen, dass EM.TV 2004 ein positives Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern ausweisen kann," sagte Unternehmenschef Werner Klatten am Montag in München. Operativ habe der TV-Rechtehändler und Merchandisingkonzern aber bereits im Vorjahr trotz eingetrübter Märkte die Trendwende geschafft.

Das operative Ergebnis habe man 2001 von 40 auf 286 Millionen Euro versiebenfacht, sagte Klatten. Der Konzernumsatz sei um ein Zehntel auf 722 Millionen Euro geklettert. Wegen hoher Wertberichtigung auf Beteiligungen musste EM.TV dennoch 374 Millionen Euro Jahresfehlbetrag verbuchen. Damit wurde der Verlust gegenüber 2000 mit minus 1,35 Milliarden Euro stark reduziert. Er habe aber "unverändert gewaltige Dimensionen", räumte Klatten ein. Die im Neuen Markt notierte Aktie stieg nach der Bilanzvorlage um über ein Zehntel auf gut 1,5 Euro. Zur Zeit ihres Höhenflugs kostete das Papier weit über 100 Euro.

Nach einer verfehlten Expansion und angesichts eines aus dem Ruder gelaufenen Rechnungswesens stand der Ex-Börsenliebling 2001 am Abgrund. Mit der erneuten Wertberichtigung sei zumindest die bilanzielle Sanierung nun abgeschlossen, sagte Klatten. Insgesamt betrage die Sonderabschreibung 2001 rund 240 Millionen Euro. Davon entfallen 138 Millionen Euro auf das mit der insolventen Kirch-Media betriebene Kinderfilmprojekt Junior TV. Der Rest der Wertberichtigung verteilt sich auf die US-Tochter Jim Henson Company und die Beteiligungen an der heimischen Tele München Gruppe (TMG) sowie am Filmproduzenten Constantin. Entweder TMG oder Jim Henson müsse 2002 verkauft werden, um anstehende Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen, sagte Klatten.

Risiko Formel 1

Auch von der knapp 17-prozentigen Restbeteiligung an der Formel 1 will er sich trennen. Deren Wert hat EM.TV mit 204 Millionen Euro in den Büchern stehen und wähnt sich damit auf der sicheren Seite. Die Anteile sind zusammen mit dem Formel 1-Mehrheitsanteil der Kirch-Gruppe als Sicherheit an die Bayerische Landesbank und andere Institute verpfändet. Damit droht ihnen im Zuge der Kirch-Krise eine Zwangsvollstreckung, was für EM.TV im schlimmsten Fall einer Vollabschreibung der 204 Millionen Euro gleich käme, räumte Klatten ein. Derzeit verhandle er aber mit den Banken über einen Verkauf des Formel 1-Engagements.

Für 2002 wollte der EM.TV-Chef keine Prognose abgeben, weil die zu stark von der Formel 1 und einem Verkauf von TMG oder Jim Henson abhängig sei. Die Umsätze dieser drei Beteiligungen summierten sich 2001 auf 656 Millionen Euro, also einen Großteil der gesamten EM.TV-Erlöse. Die Formel 1 steuerte mit 117 Millionen Euro Gewinn auch das Gros der operativen Erträge bei. Dennoch glaubt Klatten an eine Zukunft für den eigenen Konzern, an dem er ein Viertel der Anteile hält. "Ich bin überzeugt, dass EM.TV als einer der Gewinner aus dem Konsolidierungsprozess unserer Branche hervor gehen wird", sagte er. Nun könne man sich aus der Abhängigkeit der Kirch-Gruppe lösen und neue Partnerschaften eingehen. Klar sei aber, dass EM.TV sich zum Mittelständler zurückentwickle.

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