Wirtschaft : EMI und Bertelsmann vor Fusion: Musikkonzerne nähern sich an

jh

In Brüssel verdichten sich die Hinweise, nach denen der New Yorker Musikkonzern Bertelsmann Music Group (BMG) und die Londoner EMI Group Plc. eine Fusionsvereinbarung anstreben, die von den Wettbewerbshütern der EU-Kommission in kürzester Zeit genehmigt werden kann. In Branchenkreisen ist zu hören, dass beide Unternehmen bereit seien, mehrere Plattenlabels abzugeben. Aus diesen könnte dann ein fünfter globaler Wettbewerber geformt werden.

Im Zentrum des neuen Anbieters könnten die derzeitige EMI-Tochter Virgin Records oder Zomba Music stehen, zu der BMG über das gemeinsame Label Jive enge Beziehungen hat. Die von Clive Calder kontrollierte Zomba Music hat in den letzten Jahren mit den Backstreet Boys und Britney Spears weltweit Furore gemacht. Bei den Ende 2000 gescheiterten Fusionsplänen von Time Warner und EMI hatte EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti klargestellt, dass er nicht bereit sei, in dem von fünf Konzernen beherrschten Weltmarkt eine weitere Konzentration hinzunehmen. Sony, Universal, Warner Music, EMI und BMG dominieren den Markt. Montis Marktwächter fürchten, dass sich in dem oligopolen Markt kartellähnliche Strukturen entwickeln und der Wettbewerb ausgeschaltet werde. Bereits Time Warner und EMI hatten gegenüber Monti ihre Bereitschaft signalisiert, den US-Musikverlag Chapell sowie die britische Virgin Records abzugeben. Heute heißt es, dieses Einlenken sei zu spät gekommen und nicht offiziell eingereicht worden. Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und der neue BMG-Vorstandsvorsitzende Rolf Schmidt-Holtz haben anscheinend ihre Konsequenzen aus den Bedenken Montis gezogen. Und die EMI-Führung wird ihre Aktionäre nicht noch einmal einer langen Zitterpartie mit negativen Ausgang aussetzen wollen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar