Emirates-Streit : Lufthansa beklagt "politische Kampagne"

Die Airline bestreitet, Emirates auf dem BBI  zu blockieren und beklagt aggressiven Wettbewerb.

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Berlin - Lufthansa hat den Vorwurf nachdrücklich zurückgewiesen, Verkehrsrechte für die Fluggesellschaft Emirates auf dem künftigen Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) zu blockieren. In einer sechsseitigen Stellungnahme zu einem Tagesspiegel-Artikel vom vergangenen Mittwoch behauptet die deutsche Fluggesellschaft, sie werde „einer politischen Kampagne“ ausgesetzt. Der Vorwurf der Blockade sei „eine Legende“. Allerdings warnte das Unternehmen zugleich vor der Erteilung zusätzlicher Verkehrsrechte für Emirates. Damit würden hiesige Arbeitsplätze an den Golf exportiert, schrieb Lufthansa.

Emirates habe sich wiederholt gegen Landerechte in Berlin entschieden und fliege stattdessen lieber Frankfurt am Main, München, Düsseldorf und Hamburg an, erklärte Lufthansa. Berlin sei daher für Emirates offenbar nur „fünfte Wahl“. Eigentlich sehe das bilaterale Luftverkehrsabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten Verkehrsrechte für nur drei deutsche Flughäfen vor, 2002 sei eine vierte Destination provisorisch bewilligt worden. Innerhalb dieses Rahmens habe Emirates freie Hand. Die Fluggesellschaft habe sich aber bisher nicht für Berlin entschieden.

Lufthansa sieht Emirates als einen Angreifer, der in den vergangenen Jahren fünf Mal so schnell wie die Branche gewachsen sei und dies mit staatliche Mitteln finanziert habe. „Das eigene überdimensionale Wachstum zwingt Emirates zu einem immer aggressiveren Verdrängungswettbewerb“, heißt es in dem Papier. „Bereits 2012 will Emirates auf den Langstrecken doppelt so groß sein wie Lufthansa bzw. Air France/KLM und British Airways.“ Deswegen wolle Emirates „Marktanteile und Passagiere um jeden Preis“ von anderen Drehkreuzen abziehen und möglichst viele Flughäfen in Deutschland und Europa an den eigenen Hub in Dubai anbinden. Dies diene auch dazu, „die vielen bestellten Großraum- Flugzeuge füllen zu können“, erklärte Lufthansa.

„Dubai gewinnt so als Umsteigeflughafen in Richtung Asien oder Afrika auf Kosten deutscher bzw. europäischer Drehkreuze wie Frankfurt, München, London oder Paris.“ Eigentlicher Leidtragender sei die heimische Volkswirtschaft und Infrastruktur. „Werden Fluggäste und Verkehrsströme von den deutschen Drehkreuzen umgeleitet und ersetzt ein künstlicher Hub unsere nationalen Basen, bedeutet dies einen Arbeitsplatz-Export aus Deutschland an den Golf“, argumentiert die deutsche Fluggesellschaft.

So schaffe Lufthansa zum Beispiel pro eingesetzten Airbus A340-600 direkt und indirekt 477 Arbeitsplätze in Deutschland, während es bei einem ausländischen Carrier, der Deutschland anfliege, nur 131 Arbeitsplätze seien. Gerade Berlin liege Lufthansa dabei am Herzen. Das Unternehmen sei mit rund zwei Dutzend Gesellschaften und mehr als 3500 Mitarbeitern in der Region vertreten und biete mehr als 800 wöchentliche Flugverbindungen von und nach Berlin.

Auch umweltpolitisch mache eine Verlagerung von Umsteigepunkten nach Dubai keinen Sinn. So verursachten Asienflüge mit Umsteigen am Golf mehr CO2-Emissionen als über Drehkreuze in der Europäischen Union, weil die Flugzeiten vier bis sechs Stunden länger seien. Moritz Döbler

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