Wirtschaft : Emissionsspezialist Lothar Mark über Neuzugänge an der Börse

Herr Mark[wird das Börsenjahr so viele inter]

Lothar Mark ist Vorstandsvorsitzender der Gontard & MetallBank.

Herr Mark, wird das Börsenjahr so viele interessante Neuemissionen bringen wie jetzt erwartet wird?

Das Jahr 2000 wird für die deutsche Börse das beste Emissionsjahr der Geschichte. Wir rechnen mit einem Emissionsvolumen von 35 Milliarden Mark und 200 Neuzugängen - am Neuen Markt und im Amtlichen Handel.

Viele meinen, der Neue Markt sei inzwischen zu voll, Anleger verlören den Überblick?

Das sehe ich ganz anders. Am Neuen Markt geht es jetzt erst richtig los. Wir werden in Zukunft pro Jahr rund 200 Neuemissionen am Neuen Markt zählen. In zehn Jahren werden dort 3000 Werte notiert sein. Gefordert sind jetzt die Banken mit ihrem Research, die Unternehmen mit ihren Investor-Relations-Abteilungen und die Betreuer, die für faire Kurse sorgen müssen.

Wie transparent ist eigentlich das Betreuer-System, das am Neuen Markt eingeführt wurde, um die Informationslücke zwischen Anlegern und Emittenten zu schließen?

Die Deutsche Börse wird in Kürze eine Bilanz des Betreuer-Systems veröffentlichen. Gute Betreuer-Banken sollten die Emittenten vor, während und nach dem Börsengang beraten. Und sie sollten auf Anfrage vernünftige An- und Verkaufskurse stellen, die auch kleine Werte mit ausreichender Liquidität versorgen. Aus der Übersicht der Deutschen Börse werden Anleger jetzt entnehmen können, welche Betreuer-Bank eine Neuemission seriös begleitet und wer sich durch den Notausgang verabschiedet hat.

An welchen Maßstäben muss sich ein gutes Emissionshaus messen lassen?

Am langfristigen Erfolg der bisher platzierten Unternehmen, der in den einschlägig bekannten Rankinglisten dokumentiert wird. Unser Haus, das in der "Hitparade" in den Top-Ten steht, hat übrigens einen "Emissions-Knigge" formuliert, der die Börsenkandidaten auf strenge Regeln festlegt.

Welche Regeln?

Die Gesellschaften müssen sich etwa verpflichten, keine Dividende zu zahlen und die Boni für den Vorstand zu streichen, wenn die Planzahlen nicht erreicht werden. Ganz wichtig für den Anleger ist auch, dass die Alteigentümer nicht Kasse machen. Das heißt, sie dürfen im ersten Jahr nach dem Börsengang keine Aktien verkaufen.

Diesen Ausverkauf werden Anleger im Zweifel erst bemerken, wenn sie ihr Geld schon verloren haben...

Nicht unbedingt. Wenn es vor einem Börsengang heißt, ein Unternehmen werde zwei Millionen Aktien an die Börse bringen, wovon aber 1,2 Millionen von den Alt-Eigentümern verkauft werden, dann sollten Anleger die Finger von der Aktie lassen. Das betrifft auch Spin-Offs, also Konzerntöchter, die an die Börse gebracht werden: Wenn die Konzernmütter nur abkassieren und kein Geld in die neue Gesellschaft stecken, macht das für Anleger keinen Sinn. Das neue Unternehmen wird nur unter dem - bei Spin-Offs üblichen - hohen Emissionskurs leiden.

Sind die teils dramatischen Kursverluste, die einige Neuemissionen 1999 erlebt haben, auf Ausverkäufe zurückzuführen?

Ja, zum Teil sind die Papiere deshalb abgestürzt. Andere Unternehmen haben zudem nicht gehalten, was sie versprochen haben. Da klaffte zwischen dem, was im Börsenprospekt vorausgesagt wurde, und den anschließenden Gewinnwarnungen und Umsatzeinbrüchen eine zu große Lücke.

Woran können Anleger Flops erkennen?

Wer bei Neuemissionen dabei sein will, sollte sich die Branche, aus der das Unternehmen stammt, und den Vorstand genau ansehen. Und: Die - meist kurze - Vergangenheit des Börsenkandidaten gibt Hinweise, ob ein Unternehmen wirklich börsenreif ist.

Wird die Gontard & MetallBank wegen der Börsenflaute Emissionen verschieben?

Nein, im Gegenteil. Niedrige Kurse sind eine Chance für neue Anleger. Wir werden in diesem Jahr rund 20 Unternehmen an die Börse bringen. Im Januar präsentieren wir die Comtelco AG, die Software für die Telefon-Abrechnung herstellt, und die Swing Entertainment Media AG, einen Rechtehändler, der Comicspiele wie Fred Feuerstein oder Nintendo-Spiele im Internet vermarktet.

Das Interview führte Henrik Mortsiefer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben