Wirtschaft : Emotionen abstoßen

Warum Aktien und Menschen nicht zusammenpassen – und wie man trotzdem börsenfit wird

Verena Friederike Hasel

In dem Film „Dumm und Dümmer“ fragt der Held Lloyd, gespielt von Jim Carrey, seine große Liebe, wie die Chancen stünden, dass sie ihn erwählt. „Eins zu einer Million“, erwidert sie, und Lloyd ruft: „Also habe ich eine Chance? Hurra!“

Derart besorgniserregend verhält sich nicht nur eine Figur in einem Film mit diesem Titel. Jeder Mensch, der etwas haben will, lässt sich leiten von Wunsch und Gefühl. Leider auch beim Geld: In einer Untersuchung der Stanford Universität legten diejenigen Versuchspersonen ihr Geld am besten an, bei denen die Hirnteile, die für Emotionen zuständig sind, geschädigt waren.

Gefährlich wird dem Börsenanleger vor allem seine Gier, sie ist ihm förmlich ins Hirn einprogrammiert. Wie der amerikanische Psychologe Brian Knutson feststellte, feuern die Neuronen im Belohnungszentrum des Hirns – der Herd der positiven Emotionen – stärker, wenn man einen Gewinn erwartet, als wenn man ihn tatsächlich bekommt. Darin liegt die Heimtücke von Gier: Da sie sich noch besser anfühlt als Erfolg, ist sie fast abgekoppelt von ihrem Ergebnis. Erschwerend kommt hinzu, dass an der Börse vor allem diejenigen gierig sind, die es sich am wenigsten leisten können. In den USA, so schreibt der amerikanische Finanzexperte Jason Zweig in seinem Buch „Gier“, setzen die ärmsten Anleger mit Vorliebe auf riskante Aktien und bleiben damit um fünf Prozent ihres Gewinns hinter dem Gesamtmarkt zurück.

Der Homo oeconomicus, der kühle Kalkulierer aus dem Wirtschaftslehrbuch, ist also eine Illusion. Was dem Anleger bleibt, ist, dem eigenen Raffke ein paar Stolpersteine einzubauen, etwa indem er einen Vertrag mit sich selbst schließt und feste Regeln aufstellt. So sollten die Anforderungen, die eine Anlage erfüllen soll, vorab stets definiert sein – und dann auch konsultiert werden, bevor man kauft. Außerdem wichtig: Framing. So nennen Psychologen die Wahl eines bestimmten Bezugsrahmens. Geht ein Geschäft zu 90 Prozent gut oder zu zehn Prozent schief? Zur Eindämmung der Gier wähle man stets die Negativvariante, in diesem Fall also die zehn Prozent.

Hat man eine hohe Investion erst getätigt, wird man wahrscheinlich weitermachen, auch wenn es abwärts geht. Das nennen Psychologen die Sunk-Cost-Tendenz oder auch den Concorde-Effekt – nach dem Überschallflugzeug benannt, das England und Frankreich zusammen entwickelten und das viel teurer wurde als erwartet. Da man sich ungern eingesteht, dass man sich vertan hat, sollte man bei Aktienkäufen vorher eine Stop- Loss-Marke festlegen. Fällt der Kurs unter diese Grenze, wird verkauft.

Grundsätzlich erzeugt Gier Nervosität. Im erregten Zustand nimmt noch eine andere Neigung zu, die von Nachteil sein kann: Mit Ambivalenz tut sich der Mensch generell schwer, er will, so sagen Psychologen, kognitive Dissonanz minimieren, also blendet er Informationen aus, die seinen Ansichten zuwiderlaufen. Dadurch verpasst er Warnsignale und beschränkt sich zu sehr aufs Altbekannte. Ein Beispiel dafür ist der Home Bias: Anleger bevorzugen heimische Werte, einer Studie zufolge entgingen deutschen Anlegern auf diese Weise fünf Prozent Rendite jährlich. Grundsätzlich gilt: Breit streuen, das minimiert das Risiko. Verena Friederike Hasel

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