Wirtschaft : EnBW-Chef denkt über eine Vier-Tage-Woche nach

Gewerkschaft reagiert reserviert auf Claassens Vorschläge

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Berlin (hop). Der Chef des Energiekonzerns EnBW Utz Claassen will die Folgen des geplanten Sparprogramms abfedern. Massenentlastungen könnten vermieden werden, wenn die Beschäftigten zum Beispiel zu einer VierTage-Woche ohne Lohnausgleich bereit wären. Dieses Modell brachte Claassen in einem Interview mit der „Financial Times Deutschland“ ins Gespräch. EnBW-Sprecher Dirk Ommeln sagte allerdings am Montag dem Tagesspiegel: „Die Vier-Tage-Woche ist ein Gedanke von Herrn Claassen, aber noch kein verhandeltes Modell.“ Es gebe außerdem viele Alternativen. Der Sprecher sagte: „Dabei geht es um ein Gesamtpaket.“

EnBW will bis 2006 etwa eine Milliarde Euro einsparen. Davon sollen 350 Millionen Euro durch geringere Personalkosten erbracht werden, das entspricht einer Absenkung um 20 bis 30 Prozent. In der Diskussion ist deshalb der Abbau von bis zu 3700 Arbeitsplätzen. Zurzeit sind bei EnBW noch 13 000 Menschen beschäftigt. Allerdings ist der Konzern ins Trudeln geraten. Für 2003 wird ein Verlust vor Steuern von etwa einer Milliarde Euro erwartet. Grund sind höhere Risiken und Abschreibungen auf Beteiligungen. Von den 400 Töchern des Konzerns sollen nun 143 entweder aufgelöst, verkauft oder fusioniert werden.

Werner Vorderwülbeck, der für EnBW zuständige Sekretär bei der Gewerkschaft Verdi, reagierte reserviert auf die Vorschläge Claassens. Voraussetzung für Gespräche sei, dass der Konzern die Androhung betriebsbedingter Kündigungen zurücknehme. Außerdem habe Verdi von EnBW noch nichts über die mögliche Vier-Tage-Woche gehört. „Und das ist eine Tariffrage.“ Im Übrigen sehe Verdi noch keine Notwendigkeit, darüber zu diskutieren. „Der Arbeitgeber muss nachweisen, dass wir keine Alternative mehr haben.“ Das habe er bisher nicht getan. In dem Fall sei Verdi allerdings zu Gesprächen bereit.

Über Alternativen wollte EnBW-Sprecher Ommeln nichts sagen. Er verwies darauf, dass man in der vergangenen Woche mit dem Betriebsrat des Konzerns Stillschweigen über die Gespräche vereinbart habe, „um in Ruhe weiter verhandeln zu können“. Die Vier-Tage-Woche sei dabei allerdings kein offizieller Verhandlungsgegenstand gewesen, sondern jetzt von Claassen in die Diskussion gebracht worden. Der EnBW-Chef arbeitete früher bei der spanischen Volkswagen-Tochter Seat. VW hatte in den 90er Jahren Entlassungen durch die Einführung der Vier-Tage-Woche verhindert.

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