Wirtschaft : Ende der Bahn-Beziehung: Verkehrsverbünde wollen aussteigen

Klaus Vorgang, Geschäftsführer der Verkehrsverbund RheinRuhr GmbH (VRR), greift zum nahe liegenden Bild: "Die Bahn gerät mächtig unter Dampf." Ab 2003 will der Verbund, in dessen Region zwischen Düsseldorf und Dortmund über sieben Millionen Einwohner jährlich mehr als eine Milliarde mal in Busse und Bahnen steigen, seine langjährige Geschäftsbeziehung mit der Deutschen Bahn nicht unbedingt weiter führen. Sukzessive sollen in fünf Jahren die Zugleistungen in S-Bahn- und Regionalverkehr europaweit ausgeschrieben werden - 44 Prozent bis 2008, ein paar Jahre später dann alle. Das sind 3000 Züge am Tag auf 46 Linien.

Allein an Rhein und Ruhr geht es insgesamt um ein Vergabevolumen von derzeit 800 Millionen Mark pro Jahr. Das mag die Regionalverkehrstochter der Bahn, die DB Regio AG, noch nicht schocken: Sie erzielte im vergangenen Jahr rund 14 Milliarden Mark Umsatz - immerhin 47 Prozent des Gesamtumsatzes der Bahn AG. Doch die Pläne aus dem Rheinland sind kein Einzelfall. Auch im benachbarten Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) um Köln und Bonn gibt es "ähnliche Absichten wie beim VRR", bestätigt Geschäftsführer Walter Reinarz. Die im Juni 2001 auslaufenden Verträge mit der Bahn sollen zwar noch um zweieinhalb Jahre verlängert werden. Dann aber wird man auch beim VRS testen, was der Markt so hergibt. Was Reinarz insbesondere vorschwebt, sind "großräumige Lösungen" für das Ballungsgebiet, gemeinsam mit dem VRR.

Mit finanziellem Druck lässt sich einiges machen, hat der VRR festgestellt: Letztes Jahr hatte der Zweckverband mit der Bahn Pünktlichkeitsstandards vereinbart: Wenn 90 Prozent der S-Bahnen an Rhein und Ruhr im Jahresschnitt mehr als zwei Minuten Verspätung einfahren, bekommt der VRR Geld zurück. Im Jahr 2000 schaffte die Bahn 87 Prozent. "Sie hat sich gegenüber 1999 deutlich verbessert, aber es reicht noch nicht", sagt Vorgang und will zwei Millionen Mark in Rechnung stellen.

Nicht nur in Nordrhein-Westfalen wird geprüft, ob andere Bahn-Anbieter besser sind als die DB. Nach Einschätzung von Uwe Stindt, Geschäftsführer des europaweit größten Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), haben die großen Verbünde alle ein hohes Interesse an, die bisherige Praxis der freihändigen Vergabe von Nahverkehrsleistungen durch die Europa-Ausschreibung zu ersetzen.

Die Bahn gibt sich vorerst gelassen und sieht keine Dramatik in der sich abzeichnenden Entwicklung. "Wir wollen uns als Unternehmen so aufstellen, dass wir am Markt bestehen können", erklärte eine Sprecherin.

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