Wirtschaft : Ende der Konfektionskasse

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Von Maren Peters

Auf die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen kommen aufregende Zeiten zu. Immer mehr Kassen wollen nach dem Vorbild der Barmer ab 2004 spezielle Zusatztarife und Bonusmodelle für gesundheitsbewusstes Verhalten anbieten – exklusiv für die eigenen Mitglieder. Das schafft mehr Wettbewerb zwischen den Gesetzlichen und bietet ihren Versicherten endlich Wahlmöglichkeiten, die sich an ihren Bedürfnissen und ihrer Lebensweise orientieren. So kann der Brillenträger, der gern ins Ausland fährt, eine Kasse wählen, die nicht nur seine Familie mitversichert, sondern auch noch eine Brillen und Auslandsreiseversicherung zum Vorzugspreis anbietet.

Für die Versicherten sind die neuen Zusatzangebote Last und Chance zugleich. Last, weil sie künftig nicht nur die Beitragssätze vergleichen müssen, um das günstigste Angebot herauszufinden. Zusätzlich stehen sie vor der Entscheidung, welche Kasse ihnen die besten Zusatzangebote und Bonusprogramme bietet. Die Konfektions-Krankenversicherung gibt es bald nicht mehr. Stattdessen müssen die Verbraucher sich zwischen unterschiedlich geschnürten Paketen entscheiden. Das ist erstmal anstrengend. Doch der Einsatz kann sich lohnen: Wer sich ein passendes Paket sucht, kann Geld sparen. Und wer sich entscheidet, gesund zu leben, soll dafür bei vielen Kassen zusätzlich belohnt werden. Das war überfällig.

Aber nicht nur den Versicherten stehen bewegte Zeiten bevor, auch den Kassen: Von der Möglichkeit, Zusatzleistungen anzubieten, dürften vor allem große Kassen profitieren. Sie haben viele Mitglieder und können darum mit den Privaten besonders günstige Konditionen aushandeln. Dagegen könnten kleine Krankenkassen ins Hintertreffen geraten – und Mitglieder verlieren. Dem härteren Wettbewerb dürfte die eine oder andere Kasse zum Opfer fallen. Zum Vorteil des Versicherten: Das Angebot wird dann wieder überschaubarer werden.

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