Wirtschaft : Ende einer Ära: Stabwechsel beim Zentralverband des Baugewerbes

Margarita Chiari

Vom Ende einer Ära zu sprechen, ist in diesem Fall nicht übertrieben. 22 Jahre - nahezu ein Vierteljahrhundert - steht Fritz Eichbauer als Präsident an der Spitze des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, so lange wie kein anderer seiner Kollegen in den übrigen großen Arbeitgebervertretungen. Nun gibt er sein Amt ab. Am heutigen Donnerstag werden die Delegierten des Baugewerbetages in Berlin einen Nachfolger wählen. Namen will man im Verband nicht nennen. Immerhin aber sickerte durch, dass es nur einen Kandidaten gibt: Arndt Frauenrath, seit sechs Jahren Vizepräsident des Verbandes. Das dürfte Kontinuität garantieren.

Für Kontinuität gesorgt zu haben, ist sicher Eichbauers größter Verdienst. Die Interessen von 50 000 Mittelständlern und mehr als 41 Mitgliedsverbänden unter einen Hut zu bringen und zugleich den losen Verbund mit den Vertretern der Bauindustrie aufrecht zu erhalten, ist keine leichte Aufgabe. Der heute 72-jährige Münchner Bauunternehmer hat so manche Krise mit Ruhe und einer guten Portion Pragmatismus gemeistert. Überraschend kam es daher nicht, dass ihn die Mitglieder vor zwei Jahren noch einmal zum Weitermachen überredeten. Baupleiten, Billiglohnkonkurrenz und der Streit um die Tarifpolitik, der schließlich zum Austritt einiger Landesverbände führte - allen voran der Fachgemeinschaft Bau in Berlin -, hatten den Verband damals vor eine Zerreißprobe gestellt. Vor allem im Osten unterliefen die ums Überleben kämpfenden Betriebe scharenweise die Tarifverträge. Eichbauers Erfahrung reichte nicht aus, den Eklat zu verhindern. Doch einen Flächenbrand hat es nicht gegeben.

Die Interessen des Mittelstandes gegen eine Politik zu verteidigen, die in Zeiten der Globalisierung eher die großen Einheiten im Blick hat, ist schwierig. Eichbauer hat nicht nachgelassen, die Kanzler-Hilfe für den Holzmann-Konzern als Fehler zu verurteilen. Larmoyanz war seine Sache gleichwohl nicht. Auch die eigenen Reihen verschonte er nicht mit Kritik: Auf staatliche Schutzwälle dürfe sich niemand verlassen, forderte er immer wieder. Dass dies alles nie aggressiv daherkam, lag vielleicht daran, dass Eichbauer die angenehmen Seiten des Lebens zu schätzen weiß. Als Gourmet - er ist Inhaber der Feinschmeckerlokale "Tantris" in München und "Portalis" in Berlin - hat er sich einen guten Ruf erworben.

Arndt Frauenrath ist aus ähnlichem Holz geschnitzt. Wie Eichbauer übernahm er schon in jungen Jahren den Familienbetrieb, ein Straßenbauunternehmen im nordrhein-westfälischen Heinsberg. Neben dem Tiefbau ist die Gruppe heute auf Baustoff-Recycling, Landschaftsbau und Bauplanung spezialisiert. In privater Regie baute sie das Rathaus in Nettetal oder mischte kürzlich bei der mittelständischen Bietergemeinschaft mit, die den Expo-Themenpark errichtete. Der studierte Techniker und Hobbygärtner Frauenrath engagierte sich früh für den Umweltschutz und ist Mitbegründer der Bundesvereinigung zur Privatisierung öffentlicher Aufgaben. Dies ist sicher eine Empfehlung für den diesjährigen Baugewerbetag, der immerhin unter dem Motto steht: "Bauen für die Welt von morgen. Wir machen das."

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