Wirtschaft : Ende mit Schrecken

Der Immobilienfonds SEB Immoinvest wird aufgelöst. Die Sparer sollen schrittweise entschädigt werden.

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Berlin - Die Entscheidung fiel schneller als erwartet: Bereits am Nachmittag kam die Nachricht, dass der Immobilienfonds SEB Immoinvest aufgelöst wird. Wenige Stunden nach Ablauf der Bedenkfrist für die Anleger stand fest, dass der sechs Milliarden Euro schwere Fonds, Nummer fünf der Branche, keine Zukunft mehr hat. Die Rückgabewünsche hätten die Liquidität des Fonds „deutlich überstiegen“, teilte die Fondsgesellschaft SEB Asset Management mit. Daher wurde niemand ausbezahlt.

Die 350 000 Anleger erhalten jetzt peu à peu ihr Geld zurück – oder zumindest einen Teil davon. Fünf Jahre hat Fondsmanagerin Barbara Knoflach Zeit, um die 132 Immobilien zu verkaufen. Das gilt auch für die 19 Objekte am Potsdamer Platz, die mit 1,45 Milliarden Euro in den Büchern stehen. Bis zuletzt hatte die SEB nach einem Käufer oder Partner für das Areal gesucht, allerdings vergeblich. Der Fonds stand unter Druck, weil Großanleger im Zuge der Finanzkrise versucht hatten, ihre Anteile zurückzugeben. Da der Fonds nicht flüssig genug war, diese Wünsche zu erfüllen, war er im Mai 2010 eingefroren worden. Das ist allerdings für maximal zwei Jahre erlaubt. Knoflach hatte den Fonds am Montag daher testweise öffnen lassen – ohne Erfolg.

Die Anteilseigner sollen bereits im Juni eine erste Auszahlung in Höhe von voraussichtlich 20 Prozent des Fondsvermögens erhalten. Im Anschluss daran sind halbjährliche Ausschüttungen geplant. Wie hoch diese ausfallen, hängt vom Erfolg der Immobilienverkäufe ab. Das Problem: Weil mögliche Käufer wissen, dass sich die SEB von den Immobilien trennen muss, könnten sie die Preise drücken. „Die Verkaufspreise könnten daher unter den Werten liegen, mit denen die Immobilien derzeit bewertet sind“, sagte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg dem Tagesspiegel. Die Anleger würden in diesem Fall am Ende weniger bekommen als den offiziellen Rücknahmepreis von 51,24 Euro pro Anteil. Dagegen spricht, dass die SEB Zeit hat, die Objekte an den Markt zu bringen. Daher sei es auch möglich, dass die Sparer völlig ungeschoren davonkommen, meint der Verbraucherschützer. Wer sich auf diesen Nervenkitzel nicht einlassen will, kann seine Anteile jederzeit über die Börse verkaufen – aber mit deutlichen Abschlägen. Am Montagabend lag der Kurs bei 35 Euro. Anleger sollten auch darüber nachdenken, ihre Bank zu verklagen, meint Nauhaus. „Die Berater verkaufen offene Immobilienfonds als sichere Anlage und verschweigen die Risiken.“

Und der Verkauf läuft weiter gut. Unterm Strich flossen den offenen Immobilienfonds im ersten Quartal dieses Jahres 1,4 Milliarden Euro zu, teilte der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) am Montag mit. „Die Probleme einzelner Fonds ändern nichts an der Attraktivität von offenen Immobilienfonds“, betont BVI-Sprecher Felix Fortelka. „Sachwerte stehen bei Anlegern gerade in Krisenzeiten hoch im Kurs.“

Doch nicht immer geht die Rechnung auf: Sieben Immobilienfonds werden aufgelöst, sechs weitere liegen auf Eis, darunter mit dem CS Euroreal ein weiteres Schwergewicht. Bis zum 18. Mai müssen dessen Manager über die Zukunft des Fonds entscheiden, am Montag zogen sie es vor zu schweigen.

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