Endesa-Übernahme : Überraschender Rückschlag für Eon

Der deutsche Energiekonzern Eon steht bei der geplanten Übernahme des spanischen Energieversorgers Endesa vor einer neuen Hürde. Italiens größter Stromkonzern, Enel, kaufte nach eigenen Angaben knapp zehn Prozent der Endesa-Aktien.

Mailand/Madrid - Enel will seinen Anteil auf bis zu 25 Prozent aufstocken, wie der Konzern mitteilte. Nach den Baukonzern Acciona gibt es mit Enel damit einen zweiten Großaktionär, der die Pläne von Eon noch torpedieren könnte. Während das italienische Unternehmen 39 Euro pro Endesa-Aktie zahlte, liegt das Angebot des Düsseldorfer Eon-Konzerns bei 38,75 Euro. Der Eon-Konzern hielt an seinem Übernahmeangebot fest. Es gelte unverändert, teilte Eon mit.

Der Finanznachrichtendienst "El Confidencial" berichtete im Internet, der Einstieg von Enel bei Endesa sei vor einer Woche beim Gipfel der italienischen und spanischen Regierung auf Ibiza beschlossen worden. In Medienberichten war auch zuvor schon spekuliert worden, dass sich Spanien und Italien gemeinsam gegen die Endesa-Übernahme durch Eon stemmen könnten. Enel könnte sich demnach mit dem spanischen Endesa-Großaktionär Acciona zusammentun, um die Übernahme durch die deutsche Eon zu blockieren. Bei einem Anteil von mehr als 24,9 Prozent der Anteile wäre Enel sogar verpflichtet, ein Übernahmeangebot zu machen. Enel teilte mit, der Kauf der Endesa-Aktien sei lediglich Teil der Strategie, die Stellung auf dem spanischen Markt zu verbessern.

Eon hält an Angebot fest

Eon teilte mit, das Übernahmeangebot für den spanischen Energieversorger gelte unverändert fort. Der Düsseldorfer Konzern bietet 38,75 Euro pro Endesa-Aktie, insgesamt also 41 Milliarden Euro. Endesa selbst wollte sich zum Einstieg von Enel nicht äußern. Der Großaktionär Acciona erklärte, er habe nichts vom Einstieg der Italiener bei Endesa gewusst. Der Baukonzern ist der Ansicht, dass der größte spanische Energieversorger unabhängig bleiben solle und lehnt die mögliche Endesa-Übernahme durch Eon ab.

Spaniens Industrieminister Joan Clos sagte, die Regierung halte sich "streng neutral". Am Vortag hatte er gesagt, er halte es für unwahrscheinlich, dass Eon bei Endesa Erfolg haben werde, weil das Düsseldorfer Unternehmen kaum die Mehrheit dafür bekommen werde, die Unternehmenssatzung wie gewünscht zu ändern. Die spanische Regierung lehnt die geplante Übernahme von Endesa durch Eon ab. Erst auf Drängen der EU-Kommission hatte die spanische Regulierungsbehörde einen Großteil von Auflagen gegen Eon wieder fallen lassen.

EU-Kommission schweigt

Die EU-Kommission wollte den Enel-Einstieg nicht kommentieren. Dies sei eine Angelegenheit der Märkte, ließ EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes in Brüssel mitteilen. Öffentliche Unternehmen seien aber genauso berechtigt, ein Angebot für einen Konkurrenten abzugeben wie private. Die EU-Kommission streitet seit Monaten mit Spanien über den Fall Endesa.

Die deutsche Eon hatte ihr Übernahmeangebot für den spanischen Konkurrenten Anfang des Monats von 34,50 Euro auf 38,75 Euro je Aktie aufgestockt. Voraussetzung für die bislang größte Übernahme im europäischen Energiebereich ist die Zustimmung von 50,01 Prozent der Aktionäre. Sollten sich Eon und Endesa am Ende tatsächlich zusammenschließen, entstünde der nach dem Börsenwert größte Energiekonzern der Welt. (tso/dpa)

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