Wirtschaft : Endlich der eigene Chef

MATTHIAS RÖDER (dpa)

In Nürnberg gibt es eine Messe speziell für JungunternehmerVON MATTHIAS RÖDER (dpa) NÜRNBERG.Roland Dyroff ist einer jener gesuchten Menschen mit Ideen und Courage.Der 31jährige Diplom-Mathematiker hat mit drei Freunden 1993 die Software-Firma S.u.S.E.in Fürth gegründet und kann bereits auf eine stolze Erfolgsbilanz blicken: Der Umsatz stieg 1997 von fünf Mill.auf mehr als acht Mill.DM, eine Tochterfirma in Kalifornien hat die Denkarbeit aufgenommen, und das einstige Vier-Mann-Unternehmen beschäftigt heute 36 Mitarbeiter.Solche Unternehmer-Karrieren sind es, die die am Donnerstag in Nürnberg eröffnete 1.Existenzgründermesse "Start" anschieben will.200 Aussteller - von Franchisegebern über Unternehmensberater bis hin zu Gewerbeflächenanbietern - bieten Rat und Offerten.Der Veranstalter erwartet bis zum 1.März mehrere zehntausend Interessenten.Zum Auftakt der Veranstaltung betonte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, Selbständigkeit dürfe nicht nur als Risiko begriffen werden, sondern auch als Chance: "Wir brauchen noch mehr von jenen Unternehmertalenten, die den Sprung vom Hörsaal auf den Chefsessel wagen".Viele Beispiele aus dem Ausland zeigten, daß der Wunsch nach dem Sprung in die Selbständigkeit dort schon in der Ausbildung geweckt werde.Auf den häufigsten Stolperstein machte dagegen der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, als Schirmherr der Messe aufmerksam: Geringes Eigenkapital und die hohen Hürden der Banken bei einer Finanzierung.Auch Dyroff sah bei einer Großbank die kalte Schulter, obwohl er und seine Fachkollegen nur einen Überziehungskredit von 20 000 DM wollten."Die wollten Sicherheiten, und die hatten wir nicht", erinnert er sich.Geringes Eigenkapital, unzureichende Marktanalyse und Fehleinschätzung der eigenen Qualifikation sind nach Ansicht eines Nürnberger Unternehmensberaters die häufigsten Fehler junger Unternehmensgründer."Nicht jeder Techniker ist auch ein guter Kaufmann", warnt Berater Michael Beisegel auf der "Start".In der Regel koste die fachkundige Beratung und Projektbegleitung fünf Prozent vom Investitionsvolumen.Das nötige Kleingeld fürs angestrebte Chef-Leben ist mitunter üppig.Die Investition für ein Sonnenstudio betrage rund 400 000 DM, davon seien 130 000 DM Eigenkapital aufzubringen, sagt Chistoph Kolz vom Marktführer Sunpoint auf der Messe.Die Mehrheit der Franchise-Nehmer sehe so ein Studio "als zweites berufliches Standbein." Im Hauptberuf sind Mann oder Frau noch woanders angestellt.Den Ertrag vor Steuern schätzt Kolz auf mehr als 100 000 DM im ersten Jahr.Wer kleinere Brötchen mit leckerer Wurst backen will, kommt billiger weg.Ralf Harmuth und sein Kollege stellen auf der "Start" einen Hot-Dog-Stand vor.Die beiden System-Vertreiber aus Selbitz bei Hof verlangen für die komplette Ausstattung 9995 DM."Die Hemmschwelle ab 10 000 DM ist groß, sagt Harmuth, der sich selbst erst vor drei Jahren mit "Fun-Food" selbständig gemacht hat.Erfahrungsgemäß ist nach fünf Jahren nur rund die Hälfte aller neuen Betriebe noch am Markt.Doch das in einem Gründungsjahrgang geschaffene Beschäftigungsniveau bleibe weitgehend erhalten, sagt Vera Lessat vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung."Das wird durch den Schwund nicht völlig kaputtgemacht." Eines haben die jungen Gründer trotz des lockenden Erfolgs aber gemeinsam: Viel Sorgen und kaum Zeit zum Entspannen."Freizeit ist praktisch nicht vorhanden", sagt S.u.S.E.-Gründer Dyroff und plant schon den Börsengang.

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