Wirtschaft : Endlich eine klare Handschrift der EZB

Martina Ohm

Wer wollte Wim Duisenberg jetzt noch einen Vorwurf machen? Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Zeichen der Zeit erkannt. Endlich. Die Zinssenkung um 50 Basispunkte ist die richtige Antwort auf die wachsenden wirtschaftlichen und haushaltspolischen Probleme in Europa. Und sie ist das Signal, das die Investoren an den Finanzmärkten zur Vertrauensbildung jetzt brauchen. Eine klare Handschrift, kein Mittelmaß.

Großartige Alternativen gab es für Europas Währungshüter allerdings nicht. Kein Mensch hätte es verstanden, wenn die EZB erneut auf ihren Stabilitätsauftrag gepocht und durch Stillhaltetaktik versucht hätte, ihrer Unabhängigkeit Ausdruck zu verleihen. Zwar gilt nach wie vor: Europas Geldpolitiker arbeiten nach anderen gesetzlichen Vorgaben als ihre US-amerikanischen Kollegen. Sie sind verpflichtet, für dauerhafte Geldwertstabilität zu sorgen. Anders als die Amerikaner müssen sie die Wirtschaftspolitik nicht aktiv unterstützen.

Aber sie können es. Und in solchen Zeiten müssen sie es auch. Wie ernst die Lage ist, hat die neue Wachstumsprognose des Internationalen Währungsfonds ergeben. Nicht einmal mehr ein Prozent sind für Deutschland in diesem Jahr drin. Und wenn es dicke kommt, auch im nächsten Jahr nicht. Hingegen sinken die Teuerungsgefahren. Dank niedrigerer Energiepreise sind die Inflationsraten mittlerweile wieder dort angekommmen, wo Entwarnung gegeben werden kann. Nicht nur im Euro-Raum. In Deutschland, dem ökonomischen Schwergewicht in der Währungsunion, hat die Inflation im Oktober gerade einmal zwei Prozent erreicht und damit das von der EZB selbst gesetzte Stabilitätsziel. So günstig waren die Rahmenbedingungen seit einem Jahr nicht mehr. Wann also, wenn nicht jetzt? Die EZB hat nach einer langen Phase des Zögerns und Zauderns die richtige Antwort gefunden.

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