Wirtschaft : Endlich wieder ein Schwätzchen halten

ANDREA LÖBBECKE

SCHORNSHEIM . Die Bürger von Schornsheim in Rheinland-Pfalz waren es leid: "Wir wollen wieder im Ort einkaufen", bedrängten sie ihren Bürgermeister. Seitdem Ende der 80er Jahre der Tante-Emma-Laden schloß und sich auch nach dem Tod des Bäckers kein Nachfolger fand, mußten die 1600 Einwohner zum Einkaufen in das rund sechs Kilometer entfernte Wörrstadt fahren.Solche Umstände gehören nun der Vergangenheit an: Nach vier Jahren Planung und Bau haben die Schornsheimer einen Supermarkt. "Unser Laden" heißt er, und das ist wörtlich gemeint: Unter dem Vorsitz von Bürgermeister Ludwig Sandmann gründete die Dorfgemeinschaft einen wirtschaftlichen Verein und finanzierte durch den Erwerb von Anteilen ihren Nachbarschaftsladen mit. Zudem leisteten die Schornsheimer ehrenamtlich 1750 Arbeitsstunden.Rund 1,6 Mill. DM Zuschuß für den 2,6 Mill. DM teuren Neubau bekam die Gemeinde vom Dorferneuerungsprogramm des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums. Damit werden kleine Läden, Post- und Bankfilialen im ländlichen Raum gefördert, landesweit inzwischen an mehr als 100 Orten. In den vergangenen sechs Jahren flossen dafür rund zehn Mill. DM."Unser Laden läuft gut", sagt der Schornsheimer Marktleiter Hans-Josef Leber. Seit der Eröffnung Anfang Juli kämen täglich rund 700 Kunden in das Geschäft, in dem es auch eine Bäcker- und eine Metzgerfiliale gibt. Auf der 400 Quadratmeter großen Verkaufsfläche stehen rund 15 500 Artikel in den Regalen. "Die haben alle unsere Landfrauen eingeräumt", sagt Bürgermeister Sandmann. Denn auch nach den Bauarbeiten mit Dachdecken, Tapezieren und Streichen ist immer wieder das ehrenamtliche Engagement der Schornsheimer für ihren Laden gefragt. Rund 288 000 DM haben sie bisher durch Eigenleistung erwirtschaftet.Der Verein hat inzwischen 260 Mitglieder, die für je 300 DM Anteile an dem Laden kauften. "Mit diesem Geld haben wir unter anderem die Kühltheke bezahlt", sagt Sandmann. Als nächstes entscheide der geschäftsführende Vorstand, ob eine Putzmaschine angeschafft wird. Außer Marktleiter Leber arbeiten noch sechs Leute im Laden. Neben dem Hauptsortiment, das von einer Supermarktkette bezogen wird, steht auch Schornsheimer Wein in den Regalen. "Wir sind nicht an unseren Lieferanten gebunden, können Kartoffeln oder Äpfel auch aus dem Ort beziehen", sagt Sandmann.Ihre Anteile werden die Schornsheimer so bald nicht zurückbekommen und auch an eine Gewinnausschüttung ist vorerst nicht zu denken. "In den ersten zwei Jahren werden wir rote Zahlen schreiben, es müssen auch noch Kredite zurückgezahlt werden", sagt Sandmann. Aber die Bürger hätten nicht nur in einen Laden investiert, sondern gleichzeitig einen neuen Treffpunkt geschaffen. "Endlich", sagt der Bürgermeister, "kann man wieder beim Einkaufen ein Schwätzchen halten."

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