Wirtschaft : Endlich wieder in Lohn und Brot

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Claudia Kieschke hat es geschafft. Nach fast anderthalb Jahren Arbeitslosigkeit steht die Fremdsprachensekretärin endlich wieder in Lohn und Brot. Daran ist der Tagesspiegel nicht ganz unbeteiligt.

Am 6. März stellten wir in unsrer Themenausgabe „Arbeitsmarkt“ 30 Berliner vor, die nur einen Wunsch hatten: Endlich wieder eine Stelle zu finden. Vier von ihnen haben es geschafft: Finanzbuchhalterin Kathi Hackensellner, Mediendesignerin Constanze Gutwasser und Allrounderin Edeltraud Bejick unterschrieben bereits wenige Wochen später einen Arbeitsvertrag. Und Mitte April war es dann auch bei Frau Kieschke so weit.

Zwar fand sie ihre ungewollte berufliche Auszeit – der ehemalige Arbeitgeber war von Berlin nach München gezogen – gar nicht so schlimm. Doch den Treuebonus beim Arbeitsamt Berlin West wollte sie nun auch nicht gewinnen. „Nach 16 Jahren Berufsleben habe ich die Zeit ohne Job genutzt, um neue Kraft zu tanken“, erklärt sie. Ziemlich bald habe sie jedoch die Büroluft vermisst. Und so schrieb sie eine Bewerbung nach der anderen und kassierte genauso viele Absagen. Irgendwann hat sie aufgehört mitzuzählen.

Wenn Claudia Kieschke jetzt an ihrem Schreibtisch im Zentrum für Astronomie an der TU Berlin sitzt, kommt ihr das alles unglaublich weit weg vor. Hier ist sie für das Sekretariat verantwortlich, betreut Projekte, Vortragsreihen und Seminare.

Insgesamt acht Stellenangebote flatterten Frau Kieschke nach dem 6. März ins Haus, von einem Softwareunternehmen, einer öffentlichen Organisation, der TU Berlin. Plötzlich hatte sie die Qual der Wahl. „Ein Wahnsinnsgefühl“, erinnert sie sich. Letztlich hat sie sich dann für das Astronomie-Zentrum entschieden,: „Die Aufgabe hat mich gereizt und das Arbeitsklima hat mir auf Anhieb gefallen“, sagt sie. Nicht nur Claudia Kieschke hat den idealen Job gefunden, sondern die Astronomen der TU Berlin auch die ideale Mitarbeiterin. „Frau Kieschke passt hervorragend in unser Team“, schwärmt ihr Chef Jens-Peter Kaufmann. Er hat Claudia Kieschke eingestellt. Entdeckt worden ist sie allerdings von seiner Frau. „Sie hat mich auf die Bewerber im Tagesspiegel aufmerksam gemacht“, erzählt Kaufmann, der damals händeringend eine Sekretärin suchte. Die Präsentation der Arbeitssuchenden fand er „richtig gut, fast schon ein komplettes Bewerberprofil.“ Da habe er sich ein klares Bild von der Persönlichkeit machen können, und das sei für ihn als Personalverantwortlichen immens wichtig. „Stellen werden heutzutage nicht mehr nach rein sachbezogenen Fähigkeiten vergeben, die entscheidenden Kriterien sind Flexibilität und Lernfähigkeit“, erklärt Kaufmann.

Nicht allen der 30 Jobsuchenden ist es so ergangen wie Claudia Kieschke oder Kathi Hackensellner. Malerin Christiane Raue, Zimmerer Marc Raffel oder Maurermeister Thomas Fuhlbrügge, sind alle leer ausgegangen. In der Bauwirtschaft, die in diesem Jahr erneut rund 50 000 Stellen abbauen muss, ist einfach nichts zu holen.

Controllerin Andrea Siebert, Juristin Barbara Austen oder Bürokauffrau Ümmahan Yücel haben zwar viele Vorstellungsgespräche geführt, doch mit einer Festanstellung hat es nicht geklappt. Warum, dass kann Ümmahan Yücel nicht so genau beantworten. Die beiden potenziellen Arbeitgeber hätten nach dem Gespräch nichts mehr von sich hören lassen. „Bis heute haben mir weder die Produktionsfirma noch das Klinikum meine Bewerbungsmappen zurückgeschickt“, sagt sie. Im Moment arbeitet sie wieder bei ihrem alten Arbeitgeber, in der Verwaltung des Berliner Arbeitsamts. Allerdings ist ihre Stelle nur auf vier Monate befristet. „Wie es dann weitergehen soll, weiß ich auch nicht“, sagt sie traurig. Dagmar Rosenfeld

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