Wirtschaft : Endloser Poker um zwei Stahlwerke Thyssen-Krupp wird Anlagen nicht los

Milliardengrab. Das Thyssen-Krupp-Stahlwerk in der Nähe von Rio. Foto: dpa
Milliardengrab. Das Thyssen-Krupp-Stahlwerk in der Nähe von Rio. Foto: dpaFoto: dpa

New York/Essen - Der geplante Verkauf der Thyssen-Krupp-Stahlwerke in Brasilien und den USA an den Konkurrenten CSN hängt einem Zeitungsbericht zufolge am seidenen Faden. Dem „Wall Street Journal“ (WSJ) zufolge drohen die Verhandlungen mit dem brasilianischen Unternehmen zu scheitern. Knackpunkt sei der Preis. Ein Thyssen-Krupp-Sprecher verwies auf den laufenden Prozess. „Unsere Aussage gilt unverändert.“ Demnach strebt Thyssen-Krupp eine zeitnahe Einigung an. Die Börse reagierte verstimmt: Mit einem Abschlag um 2,85 Prozent gehörte die Aktie zu den größten Verlierern im Dax.

Dem Bericht zufolge verhandelten Vertreter von Thyssen-Krupp und CSN zuletzt am Dienstag in New York, um das Geschäft zu retten. Ein Ergebnis soll es dabei nicht gegeben haben. Während sich beide Seiten über die Details für den Verkauf des Rohstahlwerks in Brasilien einig seien, gebe es nun Streit um den Preis für die Weiterverarbeitungsfabrik im US-Bundesstaat Alabama. CSN fordert laut Zeitung die Kontrolle über beide Werke, ansonsten wolle es von dem Geschäft ablassen. Für die Anlage in Alabama habe Thyssen-Krupp aber ein höheres Angebot eines Konsortiums um Arcelor-Mittal und Nippon Steel bekommen.

Neben dem potenziellen Käufer sitzen mit dem brasilianischen Rohstoffkonzern Vale und der staatlichen Förderbank BNDES weitere Parteien am Tisch. Vale gehören rund 27 Prozent am Werk in Brasilien, die Bank ist ein wichtiger Kreditgeber. Thyssen-Krupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger hatte sich zu Jahresbeginn noch optimistisch gezeigt, die Verhandlungen bis Mai abschließen zu können.

Der Konzern hatte seine Stahlwerke in Brasilien und den USA vor einem Jahr zum Verkauf gestellt. Sie haben sich als Milliardengrab erwiesen. Derzeit stehen sie noch mit 3,4 Milliarden Euro in den Büchern, wovon 3,1 Milliarden Euro auf Thyssen-Krupp entfallen, der Rest auf Vale. Die erst 2010 eröffneten Anlagen haben bislang zusammen rund zwölf Milliarden Euro gekostet und damit rund sieben Milliarden mehr als ursprünglich veranschlagt. Im Zusammenhang mit den Stahlwerken hatte der langjährige Konzernchef Ekkehard Schulz, in dessen Amtszeit sowohl die Investitionsentscheidung als auch der Bau fallen, aus dem Aufsichtsrat zurücktreten müssen. dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar