Energetische Sanierung : Abdichtung und Wahrheit

Wer seine Immobilie energetisch saniert, erhält künftig mehr Geld. Ob und für wen sich das rechnet, steht auf einem anderen Blatt.

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Baufirmen und Handwerker hoffen, dass die jüngsten politischen Beschlüsse zur Gebäudesanierung mehr Hauseigentümer motivieren, ihre Produkte und Dienstleistungen zu kaufen.
Baufirmen und Handwerker hoffen, dass die jüngsten politischen Beschlüsse zur Gebäudesanierung mehr Hauseigentümer motivieren,...Foto: picture alliance / dpa

Auf der am heutigen Montag in München beginnenden Baufachmesse dürfte die Stimmung so gut sein wie seit Jahren nicht mehr. Die Verbände des Baustoff- Fachhandels und der Dämmstoffindustrie werden eine Initiative vorstellen: „Wir packen die Energiewende (an)“, lautet ihr Slogan. Industrie, Handel und Handwerk stünden bereit, „um die Mammutaufgabe CO2-Gebäudesanierung“ zu bewältigen, heißt es in der Einladung. Anders als in anderen Jahren stehen die Chancen ganz gut, dass sie 2013 nicht auf ihren Dämmplatten und Fensterrahmen sitzen bleiben. Denn die Regierung hat zuletzt einiges getan, um Hausbesitzer für die energetische Gebäudesanierung zu motivieren.

Das scheint dringend nötig, da im Jahr derzeit nur rund ein Prozent der Eigentümer ihre Immobilien abdichten. Zwei bis drei Prozent müssten es mindestens sein, damit Deutschland seine Klima- und Effizienzziele erreichen kann. 40 Prozent der gesamten Primärenergie, die dieses Land verbraucht, gehen für das Beheizen von Gebäuden drauf. Das beeindruckte Immobilienbesitzer aber bisher wenig. Aus ihrer Sicht sprach bisher gegen eine Sanierung, dass Fördertöpfe nur schwer erreichbar oder zu mickrig ausgestattet waren, und dass die Preise für Öl, Gas und Fernwärme zuletzt nicht so stark gestiegen sind wie allgemein befürchtet. Wer seine Immobilie zudem vermietet hat, musste mit erfolgreichem Widerstand seiner Mieter rechnen, die im Zweifel am wenigsten von den Baumaßnahmen profitieren.

Nun hat der Bundestag zunächst den Weg freigemacht für eine Mietrechtsreform, die manche Mieter und ihre Verbände auf die Barrikaden treibt (siehe Beitrag unten), Vermietern aber neue Spielräume eröffnet. Das neueste Lockmittel aber ist ein Fördertopf des Bundes mit jährlich 300 Millionen Euro, den sanierungswillige Hausbesitzer womöglich schon ab Februar über ihre Hausbank bei der Staatsbank KfW anzapfen können (siehe Kasten). Damit werden die bestehenden Förderprogramme deutlich großzügiger ausgestaltet.

Ferner können Vermieter in vielen Bundesländern auch Unterstützung über die lokalen Förderbanken erhalten – in Berlin wäre das die Investitionsbank Berlin (IBB), wo sie sich etwa einen eh schon günstigen Kredit der KfW-Gruppe zusätzlich um bis zu 0,6 Prozent pro Jahr ermäßigen lassen können. Auch Einzelmaßnahmen unterstützt die IBB: Dämmung von Wänden, Dachflächen und Geschossdecken, den Einbau neuer Fenster und Außentüren, der Heizungsanlage sowie die Erneuerung beziehungsweise den Einbau einer Lüftungsanlage etwa.

Ursprünglich hatte die Regierung eine großzügigere Regelung zur steuerlichen Absetzbarkeit energetischer Baumaßnahmen geplant. Nach dem Scheitern im Bundesrat bleibt es immerhin dabei, dass die Handwerkerdienstleistungen als Werbungskosten absetzbar sind.

Anders als Mieter können Hauseigentümer auch in eine Fotovoltaikanlage investieren. Zum einen streichen sie als Stromproduzenten dann den für 20 Jahre fixierten Satz der Einspeisevergütung ein, was sich trotz stark sinkender Vergütung auch 2013 noch rechnen dürfte. Zum anderen werden sie als Stromproduzenten umsatzsteuerrechtlich Unternehmer und können so den Vorsteuerabzug aus den Herstellungskosten der Anlage ganz oder anteilig nutzen.

Energiebaumaßnahmen amortisieren sich künftig also schneller – bei steigenden Energiepreisen allemal. Eigentümer profitieren auch vom gestiegenen Wiederverkaufswert ihrer Immobilie. Und, sofern sie diese vermieten, können sie dauerhaft höhere Miete verlangen, auch nachdem die Maßnahmen abgeschrieben sind. Der Mieterschutzbund kritisiert, dass die Energiewende so nur für Vermieter, Handwerker und Baustofffirmen zum Geschäft wird. Vermieter weisen das zurück. „Wir werden uns als Gesellschaft entscheiden müssen, ob wir solche hehren Ziele wie die Energieeinsparung über den Markt finanzieren oder vom Staat alimentieren“, sagt etwa Rechtsanwalt Wolfgang Becker, Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins in Berlin-Wilmersdorf. „Wir können aber nicht einem Vermieter zumuten, für Maßnahmen Geld auszugeben, deren Ergebnis ausschließlich dem Mieter zugute kommt.“

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