Energie auf hoher See : Mehr als eine Milliarde für 72 Windräder

Vattenfall und Stadtwerke München bauen vor Sylt einen neuen Windpark. Für mindestens zwölf Jahre gibt es garantiert 15,4 Cent je Kilowattstunde.

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Dan Tusk heißt der Windpark, denn Vattenfall gemeinsam mit den Stadtwerken München bereits in der Nordsee baut.
Dan Tusk heißt der Windpark, denn Vattenfall gemeinsam mit den Stadtwerken München bereits in der Nordsee baut.Foto: picture-alliance

Die Aussicht auf sichere Renditen macht Windräder auf hoher See wieder attraktiver. Für 1,2 Milliarden Euro wollen die in Berlin ansässige Vattenfall GmbH und die Stadtwerke München rund 90 Kilometer vor Sylt 72 Windturbinen aufstellen. Beide Unternehmen betonten am Montag die Bedeutung der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). „Mit dem neuen EEG gibt es in Deutschland wieder verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen in Erneuerbare Energien“, meinte Florian Bieberbach von den Stadtwerken München. Der neue Park erstreckt sich über 60 Quadratkilometer und soll nach Fertigstellung 2014 den Strom für rund 400 000 Haushalte liefern. In der Nähe bauen Vattenfall und die Münchener bereits den Windpark Dan Tysk, der im nächsten Jahr in Betrieb geht.

Die Investoren freuen sich über die Reform des EEG

Zum 1. August ist eine Reform des EEG in Kraft getreten, mit der die Regierung die negativen Folgen der Förderpolitik in den Griff zu bekommen glaubt – die Überförderung auf Kosten aller Stromverbraucher und die Erzeugung von Grünstrom unabhängig von der Nachfrage. Da Anlagen für Windstrom auf hoher See viel teurer sind als alle anderen Erzeugungsarten, gibt es hier auch das meiste Geld für die Kilowattstunde: In den ersten zwölf Jahren 15,4 Cent. Danach sinkt der garantierte Fördersatz auf 3,9 Cent. Allerdings kann sich der zwölfjährige Höchstförderzeitraum verlängern, wenn die Anlagen in Wassertiefen von mehr als 20 Metern und in einer Entfernung von mehr als zwölf Seemeilen von der Küste aufgebaut werden. Im neuen Windpark „Sandbank“ ist das der Fall. Die Stadtwerke München und Vattenfall können also mit Stromerlösen von rund 215 Millionen Euro pro Jahr über einen Zeitraum von mehr als zwölf Jahren ausgehen.

Derzeit gibt es sieben Windparks auf hoher See, die insgesamt 628 Megawatt erzeugen. Ein Vielfaches dieser Menge ist genehmigt oder im Bau, nämlich rund 9000 Megawatt. Die Bundesregierung möchte bis 2030 rund 15 000 Megawatt auf hoher See installiert haben. Das bedeutet ungefähr zwei Windparks pro Jahr. Deutlich höher noch sind die Ausbauziele an Land, wo jedes Jahr 2500 Megawatt hinzukommen sollen. Hier liegt die garantierte Vergütung je Kilowattstunde nach der EEG-Reform bei 8,9 Cent. Alle Erneuerbaren zusammen haben im ersten Halbjahr 28,5 Prozent des Stromverbrauchs hierzulande gedeckt, davon erzeugte der Wind elf Prozent.

Vattenfall macht immer noch den meisten Strom mit Kohle

Vattenfall feierte „Sandbank“ am Montag als „weiteren Beleg für die Strategie, unser Wachstum konsequent auf den Ausbau der Erneuerbaren zu fokussieren“. Derzeit kommt Ökostrom mit EEG- Förderung auf einen Anteil am Vattenfall- Strommix von knapp 27 Prozent. Mit fast 35 Prozent ist die Kohle der größte Energieträger des schwedischen Staatskonzerns mit seiner deutschen Tochter.

Vattenfall hatte sich vor rund einem Dutzend Jahren mit den ehemaligen Stromversorgern von Berlin (Bewag) und Hamburg (HEW) nicht nur starke Handelsorganisationen, sondern mit Veag und Laubag in Ostdeutschland auch Kraftwerksbetreiber und Kohleförderer (Lausitz) einverleibt. Der Klimawandel und die deutsche Energiewende haben die Geschäftsbedingungen inzwischen erheblich verändert. Braunkohle emittiert deutlich mehr CO2 als zum Beispiel Erdgas, weshalb die Kohle in Schweden so verpönt ist wie hierzulande die Kernenergie. Mitte September stehen in Schweden Wahlen an. Danach wird, voraussichtlich im kommenden Jahr, eine Entscheidung der Politik über die Zukunft des Staatskonzerns und dabei vor allem auch über die Zukunft der deutschen Braunkohle erwartet.Alfons Frese

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