Energie der Zukunft : Ohne Steuerzahler keine Kernkraft

Die Energiewende ist machbar und bezahlbar. Jedenfalls nach Einschätzung von Greenpeace. Die Umweltorganisation hat die "wahren Kosten" des Stroms ermitteln lassen und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis

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Klarer Vorteil. Der Ökostudie zufolge kostet eine Kilowattstunde Windstrom mit 7,6 Cent viel weniger als Atomkraft mit 12,6 Cent.
Klarer Vorteil. Der Ökostudie zufolge kostet eine Kilowattstunde Windstrom mit 7,6 Cent viel weniger als Atomkraft mit 12,6 Cent.Foto: AFP

Berlin - Eine Kilowattstunde Atomstrom ist demnach für die Gesellschaft fast doppelt so teuer wie Strom aus Wasserkraft. Auch Strom aus Kohle kostet demnach deutlich mehr als Ökostrom. Die mehrheitlich bundeseigene Deutsche Energieagentur (Dena) plädierte unterdessen am Montag für den Atomausstieg – bis 2020 oder spätestens 2025 sei das machbar. Die Bürger müssten sich allerdings wegen der „Optimierung des gesamten Energiesystems“ auf eine Erhöhung des Strompreises um vier bis fünf Cent pro Kilowattstunde einstellen. Die Stromrechnung fiele dann um ein Fünftel höher aus als derzeit.

„Unterm Strich sind Atom und Kohle nicht nur gefährlich und schmutzig, sondern auch viel teurer als Wasser und Wind“, resümierte Greenpeace die Ergebnisse einer aktuellen Studie des in Berlin ansässigen „Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft“. Untersucht wurde der Zeitraum von 1970 bis 2010, addiert wurden die staatlichen Förderungen für die einzelnen Energieträger, der Strompreis und die „externen Kosten“ oder Folgekosten wie etwa Umwelt- oder Gesundheitsschäden. „Im Ergebnis trägt die Gesellschaft bei einer Kilowattstunde Windstrom Kosten von 7,6 Cent und bei Wasserstrom 6,5 Cent. Die Gesamtkosten für Strom aus Braun- oder Steinkohlekraftwerken summieren sich hingegen auf 12,1 Cent und für Atomkraft sogar auf 12,8 Cent je Kilowattstunde“, heißt es in dem Papier.

Die erneuerbaren Energien bleiben auch deshalb weiter unter dem Förderdurchschnitt je Kilowattstunde, weil erst Ende der 90er Jahre die Förderung begann. Dagegen gab es in den vergangenen vier Jahrzehnten Milliarden für die Kernenergie: Forschungsmittel vom Bund, Ausgaben der Bundesländer, Bürgschaften, Stilllegungskosten für ostdeutsche AKWs (drei Milliarden Euro), das Ende der Wismut (5,4 Milliarden Euro), Steuervergünstigungen (38 Milliarden Euro) und mehr als 54 Milliarden Euro für Rückstellungen. „Eine gewaltige Summe“, wie die Studienautorin Swantje Küchler sagt, und die von den AKW-Betreibern zurückgelegt werden muss für den dereinst anstehenden Rückbau der Anlagen.

In den frühen 70er Jahren habe die Atomenergie je Kilowattstunde mehr als 60 Cent staatlicher Förderung bekommen – und damit sogar noch mehr als der Photovoltaik-Strom mit 46,5 Cent. Nur aufgrund staatlicher Anschubfinanzierung sei die Atomkraft überhaupt möglich gewesen, argumentiert Küchler: „Hätten die AKW-Betreiber in der Aufbauphase auch nur einen relevanten Teil der Kosten selbst tragen müssen, wäre diese Technologie nie eingeführt worden.“

Über die externen Kosten der Kernenergie gibt es kaum realistische Annahmen, Schätzungen reichen von 0,1 Cent/Kilowattstunde bis zu 270 Cent/kWh – wenn zum Beispiel ein GAU eingerechnet wird. Die Greenpeace-Studie orientiert sich hier am Vorgehen des Umweltbundesamtes und legt den Satz des schlechtesten fossilen Brennstoffs, der Braunkohle, mit 7,9 Cent zugrunde. Alles in allem betragen die externen Kosten der Stromproduktion aus Steinkohle dann 6,3 Cent, aus Braunkohle und AKW sind es 7,9, aus Wind und Wasser 0,15 und aus Sonne 1,0 Cent/Kilowattstunde.

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