Energie : Erneuerbare fordern Hilfe

Die Öko-Branche klagt über höhere Kosten und beharrt auf Subventionen. Der Ausbau der Windkraft, die sieben Prozent des Strombedarfs deckt, geht indes zurück.

Juliane Schäuble
Windenergie
Eine Windenergieanlage in Brandenburg. -Foto: Studre

Berlin - Die Ökoenergie-Branche wird nach eigenen Angaben auch künftig nicht ohne Subventionen auskommen können. Angesichts der rasant gestiegenen Rohstoffkosten fordert der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) mehr Unterstützung durch die Politik. So hätten sich etwa die Stahl-Kosten für Windanlagen verdoppelt, die Kupferpreise sogar verdreifacht, sagte BEE-Präsident Dietmar Schütz am Montag in Berlin. Darauf müsse der Bund reagieren, ansonsten seien die Klimaschutzziele voraussichtlich nicht zu erreichen.

Um bis zum Jahr 2020 die EU-Vorgabe eines Anteils von 20 Prozent Erneuerbare am Energieverbrauch zu gewährleisten, sei der Ausbau von Wind-, Solar- und Bioenergie zwingend erforderlich, betonte Schütz. Doch der derzeit im Bundestag debattierte Regierungsentwurf für die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) berücksichtige die gestiegenen Kosten nicht. Diskutiert wird bislang, Windenergie besonders auf hoher See stärker zu fördern. Gleichzeitig sollen die Hilfen für die Solarindustrie gekürzt werden. Am neuen Gesetz müsse nachgebessert werden, verlangte Schütz. „Die Branche will einen Ausgleich“, ergänzte der Präsident des Bundesverbandes Windenergie (BWE), Hermann Albers.

Der Ausbau bei Windanlagen sei im vergangenen Jahr um ein Viertel eingebrochen, erklärte Albers weiter. „Und wir haben deutliche Signale, dass der Markt auch 2008 weiter rückläufig ist.“ Erschwerend komme hinzu, dass die deutschen Netzbetreiber durch den schleppenden Ausbau der Stromnetze die Windenergie an Land behinderten. „Noch liegt Deutschland mit an der Weltspitze, aber andere Länder holen in großen Schritten auf“, sagte Albers. In der EEG-Novelle müssten die Rahmenbedingungen so angepasst werden, dass Deutschland als stabiler Heimatmarkt erhalten werde. Zum Jahresende seien bundesweit mehr als 22 247 Megawatt Windenergie installiert gewesen, die rund sieben Prozent des deutschen Strombedarfs deckten. Die Erneuerbaren insgesamt lieferten gut 14 Prozent.

Um den Netzausbau zu beschleunigen, denkt die Branche auch darüber nach, Stromnetze künftig selbst zu betreiben. „Wir wären dumm, wenn wir uns nicht selbst auch um Netzinvestitionen kümmern würden“, sagte Albers. So könnte der Netzbetrieb auf ein Konglomerat übergehen, an dem auch die Bundesnetzagentur beteiligt sei. „Wir machen das besser, schneller und wirtschaftlicher“, erklärte der BWE-Präsident. Die großen Netzbetreiber erhielten für die Netze Entgelte in Höhe von jährlich 20 Milliarden Euro, von denen sie aber nur zwei Milliarden Euro in die Netze reinvestierten.

Die Solarbranche wandte sich zudem gegen Vorschläge aus der CDU, die Solarstromförderung zu kürzen. Eine zu schnelle Senkung der Förderung könnte zu einem Einbruch des Beschäftigungs- und Umsatzwachstums führen, erklärte der Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft, Carsten Körnig. Er stellte ein Gutachten vor, das in der heimischen Photovoltaik-Produktion von einer Umsatzverdopplung auf zehn Milliarden Euro bis 2010 ausgeht – wenn das Investitionsklima attraktiv und die politischen Rahmenbedingungen verlässlich bleiben. Insgesamt gebe es in Deutschland derzeit mehr als 70 Solarfabriken, die weniger als ein Prozent des Stromverbrauchs abdecken; 16 weitere seien im Bau.

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