Energie : Glos umwirbt Algier

Auf seiner Algerien-Reise wirbt Bundeswirtschaftsminister Michael Glos um verstärkte Kooperation im Energiebereich. Besonders die algerische Flüssiggasproduktion interessiert den Minister.

Algier - Wenn der iranische Religionsführer Ali Chamenei und Russlands Präsident Wladimir Putin einer Meinung sind, ist Europa auf der Hut. Teheran hatte zuletzt den Aufbau eines Gaskartells nach dem Vorbild der Opec angeregt, Putin hatte den Vorschlag als interessante Idee geadelt. Als weitere Mitglieder wurden Algerien, Katar und Libyen ins Spiel gebracht.

Eine Allianz der Gasriesen würde über die Hälfte der weltweiten Vorkommen auf sich vereinen und könnte große Abnehmer wie die EU unter Druck setzen. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU), der derzeit als amtierender EU-Ratsvorsitzender das Öl- und Gasland Algerien besucht, versuchte deshalb in Algier, das politisch motivierte Schreckgespenst einer "Gas-Opec" zu verscheuchen.

Er halte das Projekt für ein Gerücht. Bei seinen Treffen mit den Spitzen der algerischen Regierung sei keine Rede davon gewesen, dass Algier in ein Kartell mit dem Iran oder Russland eintreten wolle, sagte Glos. Zu einem lupenreinen Kartell, das Preise und Mengen reguliert, wird es trotz der Muskelspiele Teherans und Moskaus kurzfristig sowieso nicht kommen.

Ein Kartell nach Opec-Vorbild befürchtet Glos nicht

Ein Kartell setzt einen globalen Gas-Markt voraus, den es derzeit nicht gibt. Gas wird in Europa und Asien nicht frei gehandelt, sondern ist an den Ölpreis gekoppelt. Außerdem ist Russland noch auf Jahrzehnte hinaus an Lieferverträge mit den europäischen Abnehmern gebunden. Die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Produzenten und Abnehmern festigen auch starre Pipeline-Systeme, über die heute noch der Großteil der Gaslieferungen abgewickelt wird.

Für Bewegung auf dem Markt wird aber der Handel mit verflüssigtem Gas sorgen. Das Wachstumstempo beim Liquefied Natural Gas (LNG), das nicht in Rohrleitungen, sondern in großen Tankschiffen über die Weltmeere transportiert wird, ist mehr als dreieinhalb Mal so hoch wie beim Pipeline-Gas. Bei LNG spekulieren Branchenexperten, dass es langfristig durchaus zu einer engeren Kooperation der Gas-Länder kommen könnte.

Um LNG zu bekommen, wird das Gas auf minus 161 Grad Celsius gekühlt, bis es sich verflüssigt. 600 Kubikmeter Gas schrumpfen so auf einen Kubikmeter. Über 300 Meter lange Tanker können rund 150.000 Kubikmeter LNG aufnehmen. Die Ladung eines Ozeanriesen reicht aus, um 34.000 Haushalte in Deutschland ein Jahr lang mit Gas zu versorgen.

Algerien neben Katar wichtigster Flüssiggasproduzent

Neben Katar zählt Algerien zu den wichtigsten Flüssiggas- Produzenten. Auch Norwegen will bald eine große LNG-Anlage in Hammerfest in Betrieb nehmen, deren Herzstück vom Industriegase-Konzern Linde gebaut worden ist. Das Gas aus der Barentsee ist bereits für die nächsten 20 Jahre in aller Welt verkauft.

Ein LNG-Land wie Algerien werde deshalb für Europa und Deutschland immer attraktiver, sagte Glos. Jetzt müssten die deutschen Versorger in diesen Wachstumsmarkt einsteigen: "Wir sind natürlich daran interessiert, dass unsere Energiekonzerne LNG beziehen." Denn die Konkurrenz schläft nicht und bietet angesichts glänzender Renditeaussichten sogar Amerika die Stirn.

Die Ölgiganten Shell und Repsol geben Milliarden aus, um im international geächteten Iran eine LNG-Anlage und ein Hafenterminal für Tankschiffe zu bauen. Soweit sind die Deutschen um Europas größten Versorger E.ON noch nicht. Seit Jahren wird nur davon gesprochen, in Wilhelmshaven ein erstes LNG-Terminal zu bauen. (tso/dpa)

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