Energie : Industrie mahnt Bau neuer Kraftwerke an

Im Dunkeln müssen die Deutschen diesen Sommer nicht verbringen. Dennoch fordern Energieexperten schnelle Lösungen für den Bau neuer Kraftwerke an. Einen klaren Schuldigen für die Misere haben sie schon ausgemacht.

Berlin - Deutschland wird diesen Sommer noch nicht im Dunkeln sitzen — da sind führende Vertreter der Energiewirtschaft sehr zuversichtlich. Die Stromversorgung sei auch bei extremen Wetterlagen gesichert, sagte Stephan Kohler, Geschäftsführer der staatlichen Deutschen Energie-Agentur (DENA) gestern auf einer Konferenz in Berlin.

Er reagierte damit auf eine aktuelle Warnung der Bundesnetzagentur in Bonn, der zentralen Regulierungsbehörde für Strom, Gas, Telekommunikation, Post und Bahn. Deren Präsident Matthias Kurth hatte am Mittwoch vor Stromausfällen in Deutschland gewarnt, da das Netz in einem schlechtem Zustand sei. Sollte dann auch noch eine Hitzewelle über Mitteleuropa rollen und den Kraftwerken das Kühlwasser knapp werden oder Windkraftanlagen wegen Flauten stillstehen, sehe die Lage in Europa kritisch aus, so Kurth.

„Ich habe nicht die Befürchtung, dass bei uns die Lichter ausgehen“, sagte DENA-Chef Kohler. Aber weitere Verzögerungen beim Neubau von Kraftwerken würden dazu führen, dass alte, schmutzige Kraftwerke länger am Netz bleiben müssten, womit das Erreichen der Klimaschutzziele der Bundesregierung in weitere Ferne rücken dürfte.

„Wir müssen den wachsenden Energieverbrauch zum einen mit hocheffizienten fossilen Kraftwerken und zum anderen durch den Ausbau der erneuerbaren Energien befriedigen“, sagte Wolfgang Dehn, Chef von „Siemens Energy Sector“. Sein Unternehmen habe den Wirkungsgrad, also die Effizienz beim Verbrennungsprozess, bei Kraftwerken von 42 Prozent 1992 auf 47 Prozent im Jahr 2006 erhöht.

„Das Problem ist nicht die Technik“, sagte Michael Feist, Präsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft. Aber es gäbe eine deutlich abnehmende Bereitschaft der Behörden, Genehmigungen für neue Kraftwerke zu erteilen. Er kritisierte lokale Widerstandsgruppen, die den Bau von Kraftwerken torpedieren. Und, dass die Politik sich davon beeindrucken lasse. „Haben wir noch demokratische Gesetzgebungsverfahren? Oder machen wir Politik nur über regionale Initiativen, die massiv Einfluss nehmen?“, so Feist.

Vor allem Kohlekraftwerke stehen in der Kritik, da sie bis zu 40 Jahre am Netz bleiben und mehr klimaschädliche Gase produzieren als etwa Gas-Kraftwerke.

Kurzfristig scheint die Versorgung also gesichert. Allerdings wird der Streit immer heftiger geführt: In einem internen Strategiepapier des Wirtschaftsministeriums, das gestern der Presse zugespielt wurde, heißt es: Im Jahr 2020 werde die Leistung von zwölf Großkraftwerken fehlen. Würden nicht zügig Maßnahmen ergriffen, würden die Preise steigen. Für diese Entwicklung macht das Ministerium von Michael Glos (CSU) demnach direkt Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) verantwortlich. kph

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