Energie : Preisanstieg für Benzin ist keine Grenze gesetzt

Fast wöchentlich vermeldet die Mineralölwirtschaft Preisanstiege für Benzin und Diesel in Rekordhöhe. Laut Expertenmeinung ist eine Trendwende am Ölmarkt nicht in Aussicht. Im Gegenteil: Es werden schon Horror-Szenarien verbreitet.

Benzin
Autofahrer müssen für Benzin und Diesel immer tiefer in die Tasche greifen. -dpa

Hamburg/BochumDie Benzin- und Dieselpreise haben am Freitag neue Rekordwerte erreicht. Für einen Liter Benzin mussten die Autofahrer in Deutschland im Durchschnitt 1,58 Euro bezahlen, teilten Sprecher der Mineralölwirtschaft in Hamburg und Bochum mit. Diesel kostete im bundesweiten Durchschnitt an Markentankstellen mehr als 1,53 Euro je Liter. Shell hatte die Preisrunde mit Erhöhungen von rund drei Cent für Benzin und Diesel eingeleitet. Die Preise an den Zapfsäulen waren bereits am Vortag gestiegen.

Damit wurden am Freitag die alten Höchststände beim Benzin um zwei Cent übertroffen, beim Diesel um einen Cent. Die Ölunternehmen verwiesen zur Begründung auf die hohen Rohöl- und Produktpreise an den internationalen Märkten. Der Rohölpreis hatte am Freitag erstmals die Marke von 140 Dollar je Barrel (159 Liter) durchbrochen und war zeitweise auf mehr als 142 Dollar gestiegen. Auf den Märkten kursierten Prognosen des OPEC-Präsidenten Chakib Khelil, der einen Preis von 150 bis 170 Dollar je Fass für diesen Sommer prophezeite. Die Aktienbörsen reagierten auf die hohen Ölpreise mit heftigen Schwankungen.

Gazprom-Chef prophezeit 250 Doller pro Barrel Öl

Ein noch düsteres Bild zeichnete der Chef des russischen Energiegiganten Gazprom, Alexej Miller, in der "Financial Times". Er sagte Ölpreise von 250 Dollar pro Barrel für das kommende Jahr voraus. Auf der anderen Seite mehren sich auch die Stimmen, die eine Trendwende am Ölmarkt kommen sehen. So könnten die hohen Energiepreise einerseits die Weltkonjunktur dämpfen und damit auch die Nachfrage nach Öl. Zum anderen reagierten auch die Verbraucher in den Industrieländern mit rückläufiger Nachfrage und der Energiesektor ziehe verstärkt Investitionsmittel an, so dass sich mittelfristig auch das Angebot stärker erhöhen könnte.

Anders beurteilte der Energieexperte Michael Grömling vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die Lage: Die deutsche Wirtschaft leide unter den hohen Energiepreisen, sei aber nach wie vor gut aufstellt. "Das hat der Konsumkonjunktur einen Tritt ins Knie verpasst", sagte der IW-Konjunkturfachmann. Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und die Exportstärke könnten die Effekte aber noch abfedern.

"Dreh- und Angelpunkt ist, dass die Weltwirtschaft nicht unter die Räder kommt", sagte Grömling. "Wenn das Auslandsstandbein ins Wanken kommt, ist möglicherweise auch gesamtwirtschaftliches Ungemach nicht auszuschließen." Von einer Entspannung an den Rohstoffmärkten in absehbarer Zeit geht Grömling nicht aus. Eine wachsende Weltbevölkerung und eine steigende Wohlstandsorientierung erhöhten die Nachfrage. Da das Angebot kurzfristig nicht erhöht werden könne, werde das Angebot auch künftig der Nachfrage hinterherlaufen. (mbo/dpa)

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