Energie : Regierung setzt auf Mittelmeerunion

Engagements der deutschen Energiewirtschaft in Nordafrika haben schon seit Jahrzehnten Tradition. Doch die Firmen fürchten Sicherheitsprobleme.

Ewald B. Schulte

Berlin Berlin - Engagements der deutschen Energiewirtschaft in Nordafrika haben schon seit Jahrzehnten Tradition. Sowohl die BASF-Tochter Wintershall als auch die RWE-Tochter Dea sind hier in der Erkundung von Öl- und Gasfeldern aktiv. Und je lukrativer das Geschäft mit verflüssigtem Erdgas (LNG) wird, um so attraktiver werden die afrikanischen Gasförderstätten auch für die Eon-Tochter Ruhrgas. Diese Engagements sind Bestandteil der Diversifizierungsstrategie der Unternehmen, die sich bei ihren Gasbezügen nicht in eine allzu starke Abhängigkeit vom russischen Staatskonzern Gasprom begeben wollen.

Gerade weil die Konzerne den nordafrikanischen Raum kennen, wissen sie aber auch um die Probleme, die kapitalintensive Engagements hier mit sich bringen können. So müssten die Solarthermie- Kraftwerke ebenso wie die für den Stromtransport nach Westeuropa erforderlichen neuen Hochspannungsnetze dauerhaft vor Sabotagehandlungen geschützt werden, was in der Wirtschaft durchaus skeptisch gesehen wird.

Die Bundesregierung ist da optimistischer. Sie verweist auf die Vereinbarungen zur Mittelmeerunion, die ausdrücklich auch die Nutzung der Solarenergie umfasst. Zudem gebe es auch in Nordafrika eine Reihe von Staaten mit durchaus verlässlichen Rahmenbedingungen. Die großindustrielle Nutzung der Sonnenenergie, wie sie das von der Münchner Rück vorangetriebene Desertec-Projekt vorsieht, seien jedenfalls geeignet, den Einsatz der Kohle bei der Stromerzeugung in Deutschland massiv zurückzufahren und den CO2-Ausstoß wesentlich zu reduzieren.

Zudem trügen solche Stromimporte auch zu einer erhöhten Versorgungssicherheit in Deutschland bei, da die Energieversorgung auf noch mehr Quellen verteilt werde. Die Erschließung zusätzlicher und langfristig gesicherter Energiequellen im Süden werde sich auf die Energieversorgung der gesamten EU „nachhaltig positiv“ auswirken. Die stromproduzierenden Länder wiederum würden sich durch den Verkauf der „sauberen Energie“ nach Europa zusätzliche Einnahmequellen verschaffen. Auch werde der Technologietransfer Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder setzen.

Frankreich ist zwar in die Beschlüsse der Union für den Mittelmeerraum formell eingebunden, doch verfolgt Staatspräsident Nicolas Sarkozy gerade in der Energiepolitik hier einen eigenen Kurs: Gleich mit mehreren nordafrikanischen Staaten hat Sarkozy den Bau neuer Kernkraftwerke vereinbart. Einerseits will er so den französischen Kraftwerksbauern neue Absatzchancen verschaffen, andererseits erhofft er sich von diesen bilateralen Vereinbarungen dauerhaft günstige Bedingungen bei den Öl- und Gasimporten. Ewald B. Schulte

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