Energie : RWE und BP erschließen Gasfeld vor Ägypten

Der angeschlagene britische Ölkonzern BP hat mit seinem zweitgrößten deutschen Wettbewerber RWE ein besonders großes Gasförderprojekt auf den Weg gebracht.

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Berlin - Die Unternehmen wollen gemeinsam rund neun Milliarden Dollar (knapp sieben Milliarden Euro) in die Entwicklung eines Gasvorkommens vor der Küste Ägyptens investierten, teilten BP und RWE Dea, die Hamburger Öl- und Gastochter des Essener Konzerns, am Montag mit. BP finanziert 60 Prozent des Projektes, RWE Dea 40 Prozent, was einer Investition von 3,6 Milliarden Dollar entspricht. Für die Deutschen handelt es sich um die größte Investition der Unternehmensgeschichte.

Vertreter beider Unternehmen und der ägyptischen Regierung unterzeichneten am Montag die nötigen Verträge, nachdem zuvor das Kabinett und das ägyptische Parlament das Vorhaben genehmigt hatten. RWE Dea sichert sich in den beiden Feldern North Alexandria und West Mediterranean Deep Water den Zugriff auf mehr als 50 Milliarden Kubikmeter. Das ist etwa viermal so viel Gas, wie jährlich auf deutschem Gebiet insgesamt aus dem Boden gezogen wird und entspricht rund zwei Drittel der Menge, die jährlich in Deutschland verbrannt wird.

RWE hatte bereits in den Jahren 2001 und 2002 die Konzession erworben, in den Gewässern vor Ägyptens Küste Probebohrungen durchzuführen. „Ziel ist es, die Feldesentwicklung zügig umzusetzen, so dass die Förderung 2014 aufgenommen werden kann“, teilte RWE-Dea-Chef Thomas Rapphuhn in einer schriftlichen Erklärung mit. Das Meer über den Feldern, die man jetzt auszubeuten gedenkt, ist an den entsprechenden Stellen zwischen 300 und 800 Meter tief. Die Felder selbst liegen teils noch deutlich tiefer unter dem Meeresgrund und sind kompliziert auszubeuten. „Die Feldesentwicklung erfordert daher hohe Investitionen und den Einsatz neuster Technologien unter Berücksichtigung höchster Sicherheitsstandards“, heißt es bei RWE Dea weiter.

Sicherheitsstandards. Es scheint nötig, dieses Wort zu betonen. Denn BP kämpft im Golf von Mexiko weiter mit den Folgen der Ölpest. Es geht sogar soweit, dass britische Medien jetzt spekulieren, welche Unternehmensteile BP abstoßen muss, um das Aufräumen und die Entschädigungen zu bezahlen. BP bezifferte den bereits am Golf entstanden Schaden auf 3,95 Milliarden Dollar (knapp drei Milliarden Euro). Somit sind die Investitionen auch für diesen Konzern ein großer Brocken. Allerdings begannen die konkreten Verhandlungen mit den Ägyptern bereits vor rund eineinhalb Jahren, also lange bevor die Bohrinsel „Deepwater Horizon“ vor der Küste der USA explodierte.RWE DEA AG]

Auch RWE braucht dringend gute Nachrichten. So stocken die Planungen zum Bau der Nabucco-Pipeline, die Gas von Zentralasien nach Österreich bringen soll. Damit habe das Ägypten-Projekt aber nichts zu tun, heißt es bei RWE Dea in Hamburg. Kevin P. Hoffmann

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