Wirtschaft : Energie wird 2006 noch teurer

Vor allem die Gasbranche rechnet mit weiter steigenden Preisen. Engpässe sind aber nicht zu befürchten – auch nicht bei Heizöl

Bernd Hops,Anselm Waldermann

Berlin - Die Verbraucher in Deutschland müssen in diesem Winter mit weiter steigenden Energiepreisen rechnen. Vor allem Gas wird sich Anfang 2006 vielerorts verteuern. „Um weitere Preissteigerungen werden wir nicht umhin kommen“, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW), Martin Weyand, dem Tagesspiegel. Auch ein Sprecher des Ferngasunternehmens VNG bestätigte, dass auf die Endkunden weitere Preisrunden zukommen werden. „Nach unseren Erkenntnissen wird sich das im zweistelligen Prozentbereich bewegen.“

Schon im zu Ende gehenden Jahr 2005 hatte sich Energie in Deutschland wie in der ganzen Welt drastisch verteuert. Die meisten Gasversorger hatten ihre Tarife angehoben, in Einzelfällen sogar um bis zu 25 Prozent. Auch der Preis für Heizöl war stark gestiegen: Von 45 Cent je Liter auf zwischenzeitlich bis zu 64 Cent.

Bei den Strompreisen gibt es dagegen teilweise Entwarnung. Am Sonntag lehnte das hessische Wirtschaftsministerium die geplanten Erhöhungen von 50 Versorgern ab. Der zuständige Minister Alois Rhiel (CDU) sprach von einem „Kampf gegen überhöhte Energiepreise“. Ein durchschnittlicher Haushalt komme so um Mehrbelastungen von 40 Euro im Jahr herum. Auch andere Länder kündigten strenge Prüfungen an.

Beim Gas hingegen könnte sich die bisherige Entwicklung auch im Jahr 2006 fortsetzen. So betonte Weyand, dass der Importpreis für Erdgas von Januar 2004 bis Oktober 2005 um rund 60 Prozent gestiegen sei. „Das treibt die Bezugskosten der Versorgungsunternehmen in die Höhe“, sagte er. Diese müssten an die Endverbraucher weitergegeben werden.

Wie hoch die Steigerung allerdings sein werde, hänge von den konkreten Lieferverträgen der Unternehmen ab und davon, wie hoch bisherige Tarifsteigerungen ausgefallen seien. „Wir müssen aber davon ausgehen, dass die derzeitige Preisphase bis in das Jahr 2006 hinein andauert“, sagte Weyand. Dies stehe fest, weil sich der Gaspreis mit sechs Monaten Verzögerung am Ölpreis orientiert. Auch die Berliner Gasag hatte eine neue Erhöhung für Anfang 2006 nicht ausgeschlossen.

Selbst langfristig dürfte sich an dem hohen Preisniveau nicht viel ändern. Schließlich wird es von der weltweiten Nachfrage beeinflusst – und die steigt nach wie vor. „Das Angebot wird zwar nicht von heute auf morgen knapp“, sagte der VNG-Sprecher. „Allerdings wird es immer teurer, neue Lagerstätten zu erschließen.“ Diese lägen in immer unwirtlicheren und weiter entfernten Gebieten.

Unabhängige Experten sehen das ähnlich: „Erdgaskosten sind vor allem Transportkosten“, erklärte Georg Erdmann vom Institut für Energietechnik der TU Berlin. „Je mehr Leitungen man bauen muss, desto teurer wird das Gas.“ Dies gelte auch für die umstrittene Ostseepipeline, die vier Milliarden Euro kosten soll.

An anderer Stelle hingegen geben die Fachleute Entwarnung: Eine Verknappung von Energieträgern sei nicht zu befürchten. „Es gibt in der Gasversorgung keine Engpässe, das hat es in Deutschland noch nie gegeben“, sagte Weyand. Die langfristigen Lieferverträge mit den Produzentenländern und die Gasspeicher in Deutschland garantierten, dass keine Versorgungslücke zu befürchten sei. „Das bedeutet auch, dass sich ein kalter Winter kaum in den Gaspreisen widerspiegeln wird“, ergänzte der Sprecher von VNG. Schwierig könnte es nur dann werden, wenn der Streit zwischen Russland und der Ukraine über die Durchleitung von Gas eskaliert, warnt der deutsche Marktführer Eon-Ruhrgas.

Besitzer von Ölheizungen müssen sich ebenfalls keine Sorgen über einen Engpass machen. So hat das bisher milde Winterwetter sogar zu einer Entspannung an den Energiemärkten geführt. „Die Bestände sind komfortabel, auch für diese Jahreszeit“, sagte Helmut Buchmann vom Fachdienst Oil Market Report (OMR) dem Tagesspiegel. Sowohl in Europa als auch in den USA seien ausreichende Heizölvorräte aufgebaut worden. „Der Markt ist gut versorgt“, sagte auch Eberhard Pott, Vorstand des Erdölbevorratungsverbands, der die strategischen Reserven der Bundesrepublik verwaltet.

Nach den Wirbelstürmen „Rita“ und „Katrina“ hatten zwar viele Länder ihre Reserven freigegeben. Doch wurden sie nur mäßig nachgefragt – in Deutschland nicht einmal zur Hälfte. Auch die Verbraucher haben sich zurückgehalten: So sind die Heizöltanks leerer als sonst, weil sich die Kunden meist mit kleinen Aufträgen begnügt haben. Im langjährigen Mittel sind die Tanks in Deutschland um diese Jahreszeit zu 66 Prozent gefüllt, derzeit liegt der Wert bei nur 58 Prozent.

Buchmann zufolge ist der Stand aber nicht so niedrig, dass Engpässe und damit Preissprünge bei kälterem Wetter zu befürchten seien. „Die Notierungen werden etwas hoch gehen, wenn die Temperaturen sinken, aber nicht drastisch“, sagte er. Der Trend an den Ölmärkten sei derzeit sogar eher rückläufig.

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