Energie : Wolken am Solarhimmel

Sinkende staatliche Förderung und die chinesische Konkurrenz machen den deutschen Firmen zu schaffen.

M. Murphy/K. Stratmann (HB)

Düsseldorf - Die sonnigen Zeiten für die deutsche Solarindustrie scheinen vorbei zu sein. Bundesregierung und Verbraucherschützer wollen die staatliche Förderung von Solarstrom deutlich einschränken. Außerdem macht den Firmen die chinesische Konkurrenz zu schaffen.

Am Mittwoch kommender Woche sollen Vertreter der Solarbranche mit Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Verbraucherschützern über die neue Fördersätze verhandeln. Die Unternehmen haben bereits ihre grundsätzliche Bereitschaft zu moderaten Kürzungen signalisiert. Doch dabei soll es aus Sicht der Verbraucherschützer nicht bleiben. Sie forderten am Dienstag einen einmaligen starken Einschnitt bei der Förderung von Solarstrom und sprachen sich zudem dafür aus, die Vergütungssätze künftig rascher nach unten anzupassen. „Ein Einschnitt von 30 Prozent wäre gut“, sagte Holger Krawinkel, Energieexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, dem „Handelsblatt“. Außerdem sei das bisherige Vergütungssystem nicht dynamisch genug. Die Vergütungen müssten künftig jährlich nachjustiert werden können.

Hintergrund ist der starke Preisverfall für Solarmodule, der dazu führt, dass sich Sonnenstrom immer kostengünstiger produzieren lässt. Die Einspeisevergütungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) aber werden nur moderat nach unten angepasst. Das sorgt für hohe Renditen bei den Anlagenbetreibern. „Renditen von sechs oder sieben Prozent sind in Ordnung. Derzeit erreichen die Renditen aber den zweistelligen Bereich. Das ist nicht vertretbar“, so Krawinkel.

Durch die anstehende Kürzung der Solarförderung wird sich aus Branchensicht der Ausleseprozess in der jungen Industrie beschleunigen. „Nur professionalisierte Hightechunternehmen, die ihre Kosten im Griff haben, werden überleben“, sagte der Chef von Solarworld, Frank Asbeck. Übrig blieben lediglich fünf bis sechs Unternehmen, schätzt Asbeck. Vorbild für die künftige Aufstellung der Solarbranche sei dabei die deutsche Fahrzeugindustrie mit ihrem hohen Automatisierungsgrad.

Die Neuordnung des jungen Industriezweiges lief im vergangenen Jahr bereits an. Bosch baute mit dem Erwerb von Ersol und Aleo Solar einen Geschäftsbereich für Sonnenenergie auf, Siemens übernahm die israelische Solel. Auch Analysten rechnen damit, dass weitere Firmen aus dem Solarsektor pleitegehen werden. Im vergangenen Jahr hatte unter anderem City Solar Insolvenz beantragen müssen.

Das Marktumfeld für die deutschen Solarfirmen ist zuletzt rauer geworden. Die erfolgsverwöhnte Branche hat nach Rekordzuwächsen in den Vorjahren 2009 allenfalls ein kleines Wachstum geschafft. Nach einem von der Finanzkrise verursachten Absatzeinbruch in der ersten Jahreshälfte belastete die Unternehmen zudem der Preisverfall bei Solarmodulen und -zellen. Die Erlöse schrumpften seit Herbst 2008 um bis zu 50 Prozent. Auslöser dafür ist die zunehmende Konkurrenz von chinesischen Herstellern, die dank niedriger Lohnkosten ihre Module billiger anbieten können. Der Preisrutsch drückte die meisten deutschen Produzenten in die Verlustzone. M. Murphy/K. Stratmann (HB)

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