Energie : Wüstenstrom für Europa

Algerien baut ein Solar-Gas-Kraftwerk. Der Strom soll bis Deutschland fließen.

Ralph Schulze

Algier/Madrid - Inmitten der algerischen Sahara werden derzeit tausende Parabolspiegel aufgestellt. Auf einer Fläche so groß wie 35 Fußballfelder entsteht eines der größten Sonnenkraftwerke Nordafrikas. In der Oasenstadt Hassi R’mel, in der Nähe der größten Erdgasvorkommen Algeriens, soll nun auch mit der Sonne Strom produziert werden. Ein Pilotprojekt und Grundstein einer künftigen Solarindustrie, die auch einmal Europa mit Sonnenenergie versorgen könnte.

„Wir haben Platz, und wir haben Sonnenstrahlung“, sagt Algeriens Energieminister Chakib Khelil. „Wir wollen das machen.“ Weitere Sonnenenergiefabriken könnten schon bald gebaut werden, glaubt er. Für die Eigenversorgung und für Europa. Bis zu 6000 Megawatt Solarstrom werde Algerien vielleicht schon bis zum Jahr 2020 nach Südeuropa, ja sogar bis nach Deutschland exportieren können. Über Tiefseekabel, die parallel zu den schon bestehenden Gas-Fernleitungen durchs Mittelmeer zur spanischen und italienischen Küste gehen.

Beim Pilotprojekt in Hassi R’mel wird Sonne und Gas zur Energiegewinnung genutzt. Ein spanisch-algerisches Konsortium baut diese Stromfabrik für fast 300 Millionen Euro. Auch in Marokko und Ägypten werden ähnliche Solar-Gas- Kraftwerke gebaut.

Schon auf einem Prozent der riesigen Fläche der Sahara- Wüste könne mit der Sonne der Strombedarf der ganzen Welt gedeckt werden, haben Wissenschaftler ausgerechnet. Algerien ist das größte aller Sahara-Länder. Doch kein nordafrikanischer Staat will das lockende neue Geschäft verpassen. Die Erdgas- und Ölreserven, von denen vor allem Libyen und Algerien profitieren, gehen in den nächsten Jahrzehnten zur Neige. Und der Bedarf der Europäer, die bis 2020 ein Fünftel ihres Stroms aus erneuerbaren Quellen beziehen wollen, sei enorm. „Wir wollen bei diesem Rennen dabei sein“, sagt Khelil.

Europa müsse die saubere Energie aus der Wüste aber auch bezahlen. Wegen der hohen Investitionen sei der Wüstenstrom noch um etwa 25 Prozent teurer als Energie aus konventionellen Kraftwerken. Entsprechend erwartet man Subventionen aus Europa. In spätestens zehn Jahren, schätzt man in Algerien, sei der Strom aus der Sahara konkurrenzfähig. Die von großen deutschen Unternehmen und Forschungseinrichtungen vorangetriebene Wüstenstrom-Initiative Desertec fügt sich aus Sicht der Algerier gut in diese Zukunftsvision. Desertec sieht den Bau von Solarkraftwerken und Fernstromleitungen nach Europa für rund 400 Milliarden Euro vor und will am Montag kommender Woche die Grundlagen des Vorhabens vereinbaren. Ralph Schulze

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