Energiekonzern : Eon: Aus Vize wird Chef

Johannes Teyssen ist der neue starke Mann beim Energieriesen Eon. Die Geschicke des Konzerns hat er bereits in den vergangenen Monaten maßgeblich mitgeprägt.

David C. Lerch
Teyssen
Kumpeltyp in Nadelstreifen. Johannes Teyssen wird Eon-Chef. -Foto: ddp

Düsseldorf - Der Neue ist unberechenbar. „Wenn man ihn bei schlechter Laune trifft, ist ein Meeting von der ersten Minute an gelaufen“, verrät ein Kenner der Energiebranche, der anonym bleiben will. Mürrisch sei er dann und polternd. Doch Johannes Teyssen könne auch anders sein: jovial, offen, verbindlich. Ein hemdsärmeliger Kumpeltyp.

Jetzt ist der 49-jährige Manager vermutlich bester Laune, denn der Aufsichtsrat von Eon ernannte Teyssen am Montagabend zum neuen Vorstandsvorsitzenden. Am 1. Mai 2010 wird er an die Spitze von Deutschlands größtem Energieversorger rücken – für Wulf Bernotat, als dessen Kronprinz er seit 2007 gilt. Bernotat hatte vor wenigen Monaten angekündigt, seinen 2010 auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Bernotat steht seit 2003 an der Spitze von Eon.

Die Geschicke von Eon hat Johannes Teyssen bereits in den vergangenen Monaten maßgeblich mitgeprägt. Er ist längst der Mann für das Tagesgeschäft, während Bernotat den Konzern nach außen repräsentiert und sich auf die politische Lobbyarbeit konzentriert. Bei dieser Aufgabenteilung wird es trotz Gerüchten über einen vorzeitigen Stabwechsel wohl erst mal bleiben. Im kommenden Jahr wird Bernotat ausscheiden und Teyssen, der seit März 2008 sein Vize ist, ganz das Kommando übergeben.

Inhaltlich steht der Neue für Kontinuität, aber nicht, was den Führungsstil angeht. Manche Beobachter sprechen gar von einem Kulturwandel an der Konzernspitze. Weg von dem weltmännischen Bernotat, der einst für den Ölmulti Shell in London und Paris arbeitete und nun für den Aufsichtsratsvorsitz bei BP im Gespräch ist. Hin zu Teyssen, der als Manager der Stadtwerke in Braunschweig und Salzgitter begann und sich seit 20 Jahren im Konzern nach oben gearbeitet hat. „Teyssen ist durch und durch ein Kind der Energiewirtschaft und in der Branche für seine Fachkompetenz hoch angesehen“, sagte Matthias Cord, Energieexperte der Beratungsfirma AT Kearney. Dazu gilt er als bodenständiger als der vornehme Bernotat. Zu einem Branchengespräch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) fuhr er im vergangenen Jahr mit dem Taxi vor, statt wie die übrigen Teilnehmer im Dienstwagen.

In den kommenden Monaten wird Teyssen seine langjährigen Kontakte in das gesamte Unternehmen dringend brauchen, denn bei dem Energiekonzern mit weltweit über 90 000 Mitarbeitern ist mehr in Bewegung als nur der Chefsessel. Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt, heißt es aus dem Unternehmen. Viele haben Angst um ihren Job. Grund ist ein Sparprogramm, das Bernotat und Teyssen 2008 eingeleitet haben – trotz eines Rekordgewinns von zehn Milliarden Euro. Ab 2011 will Eon jährlich 1,5 Milliarden Euro einsparen. Nach massiven Protesten des Betriebsrats einigte man sich am vergangenen Wochenende, bis 2012 auf betriebsbedingte Kündigung an den deutschen Standorten zu verzichten.

Harte Auseinandersetzungen mit der Arbeitnehmerseite kannte man bei Eon bisher nicht. Der ehemalige Konzernchef Ulrich Hartmann und Hubertus Schmoldt, Chef der Gewerkschaft IG BCE, stehen seit Jahren an der Spitze des Aufsichtsrates und für einen Konsens der beiden Tarifpartner. Doch inzwischen vertritt Verdi deutlich mehr der Mitarbeiter, 2010 soll Schmoldt abgelöst werden. Und auch der 71-jährige Hartmann hat angekündigt, seinen bis 2013 laufenden Vertrag nicht erfüllen zu wollen.

Die Wirtschaftskrise sollte dem neuen Eon-Chef eher wenig Sorgen bereiten. Zwar sank der Gewinn durch den geringeren Energieverbrauch der Unternehmen im ersten Quartal 2009 um fünf Prozent – aber er lag immer noch bei drei Milliarden Euro. David C. Lerch

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