Energiekonzern : Eon stoppt Aktienrückkäufe

Deutschlands größter Energiekonzern, die Düsseldorfer Eon AG, zieht erste Konsequenzen aus der Finanzmarktkrise. Wie Konzernchef Wulf Bernotat und Finanzvorstand Marcus Schenck mitteilten, werde ein laufendes Aktienrückkaufprogramm vorerst ausgesetzt.

Berlin - Noch einmal auf den Prüfstand kommen auch die ehrgeizigen Investitionsvorhaben der Düsseldorfer, für deren Finanzierung bis Ende 2010 noch einmal gut 30 Milliarden Euro benötigt werden. Zwar werde keines dieser Projekte aufgegeben, so Bernotat, aber in Einzelfällen sei eine zeitliche Verschiebung durchaus denkbar. An der Börse fiel die Eon-Aktie am Mittwoch um mehr als sechs Prozent.

Auslöser für diese Entscheidung sei der Anstieg der Finanzierungskosten. Zwar habe der Konzern über Anleihen auf dem Kapitalmarkt rund 24 Milliarden Euro noch vergleichsweise günstig einwerben können, doch sei für die zusätzlich benötigten Mittel mit deutlich steigenden Kosten zu rechnen.

Parallel treibt der Konzern, der über Zukäufe in Russland, Spanien und Italien mittlerweile in mehr als 30 Ländern präsent ist, die Integration der neuen Unternehmensbereiche voran. Bernotat widersprach Berichten, wonach es sich bei diesen Maßnahmen um ein reines Einsparprogramm handle, mit dem die Kosten des Konzerns jährlich um mindestens eine Milliarde Euro gedrückt werden sollten. Eine solche Zahl habe Eon nie kommuniziert. Vielmehr gehe es darum, auch nach den Zukäufen die Effizienz im Konzern zu steigern und das Entstehen überflüssiger bürokratischer Strukturen bei Eon von vornherein zu verhindern.

Für die Tochter Thüga, in der die mehr als 100 Stadtwerke-Beteiligungen Eons geführt werden, schloss Bernotat einen Verkauf nicht länger aus. Eine Entscheidung dazu habe der Vorstand zwar noch nicht getroffen. Nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs, das am Dienstag das Verbot des Kartellamts zum Einstieg Eons bei den Stadtwerken Eschwege bestätigt hatte, sei jedoch klar, dass dieses Beteiligungsgeschäft bei Eon kaum noch Wachstumschancen habe. Am Kauf der Thüga interessiert ist neben dem Mannheimer Versorger MVV auch die Frankfurter Mainova, die eine solche Übernahme zusammen mit den Stadtwerken aus Hannover und Nürnberg stemmen könnte.

Trotz des Konjunktureinbruchs erwartet Bernotat für 2009 noch keinen spürbaren Rückgang der Stromnachfrage, so dass auch mit Preisrückgängen kaum zu rechnen sei. Wegen der zuletzt stark rückläufigen Ölpreise erwartet der Manager aber für das Frühjahr eine deutliche Senkung der Gastarife.

In den ersten neun Monaten 2008 konnte der Eon-Konzern sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern um acht Prozent auf 7,7 Milliarden Euro steigern. Im dritten Quartal lag dieser Zuwachs sogar bei 13 Prozent. –ebs–

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben